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Wolfgang Amadeus Mozart

Keyboard Music Vol. 7 (9 Variationen über „Lison dormait“ KV 264, Sonate a-Moll KV 310, 6 Variationen über „Mio caro Adone“ KV 180, Sonate D-Dur KV 284)

Kristian Bezuidenhout

harmonia mundi HMU 907531
(73 Min., 9/2011)

Die siebte Folge von Kristian Bezuidenhouts Gesamteinspielung des Mozart'schen Klavierwerks führt uns unter anderem nach Paris. Hier, wo sich der Komponist vergeblich um eine Anstellung bemühte und den Tod seiner Mutter miterlebte, entstanden die Sonate a-Moll KV 310 und die großangelegten Variationen über „Lison dormait“ aus Nicholas Dezèdes Oper „Julie“. Die romantische Projektion, nach der Mozart den Tod der Mutter unmittelbar in der a-Moll-Sonate gespiegelt hätte, bedient Bezuidenhout nicht – jedenfalls nicht, indem er den düsteren Beginn dramatisch aufrauen würde. Dennoch gewinnt die Sonate bei aller begeisterten, freundlichen, verliebten Eleganz, die Bezuidenhouts Verhältnis zu Mozart charakterisiert, eine ganz eigene Tiefe: eine Schönheit, die nicht mehr ganz von dieser Welt zu sein scheint. Ihr Drama liegt bereits in den tief geatmeten Seufzerfiguren, die in der Höhe zärtlich verglühen und in dem intelligenten Spiel mit Helldunkelkontrasten. Besonders schlagend sind letztere im abschließenden Presto, das Bezuidenhout nicht einfach in ein aufgewühltes Sturm- und Drang-Stück verwandelt, sondern dessen Duraufhellungen er mit Hilfe der Moderator-Dämpfung in ein unwirkliches Licht (ent-)rückt.
Bezuidenhouts gänzlich unangestrengte Virtuosität, sein Klangfarbensinn, unaufdringliche Rubati und sein genuines Erzähltalent machen sowohl die eigenständigen Variationswerke als auch den ausgedehnten Variationssatz der D-Dur Sonate KV 284 zum Ereignis. Der von ihm verwendete Nachbau eines 1805 erbauten Hammerflügels von Walter und Sohn – der einen Hauch runder und voller klingt als die vom jüngeren Mozart bevorzugten Stein-Flügel – wirkt für diese visionäre Musik gänzlich adäquat und dürfte auch dem hartnäckigsten Steinway-Fan eine Brücke zum vollständigen Genuss dieser hervorragenden Einspielung bauen.

Carsten Niemann, 07.02.2015



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Bezuidenhout war für mich, als er auftauchte, ein Quantensprung in Sachen adäquater Mozart-Instrumente nach 150 Jahren Steinway-Mozart. Vor einer Weile aber erging es mir wie der Königin im Märchen: Bezuidenhout ist fabelhaft, aber hinter den sieben Bergen, gleich hinter Besançon, wohnt Arthur Schoonderwoerd. Und dessen Integralaufnahme der Mozart-Sonaten finde ich noch interessanter, aufregender, mozartnäher. Bezuidenhout im Vergleich ist sicher ohrenfreundlicher. Nur, den Klang seines Instruments von 1805 kannte Mozart noch nicht. Belederung kam erst mit der französischen Revolution auf, als alles, was nach Cembalo klang, zum alten - verdammungswürdigen - System gehörte (so die Argumentation Schoonderwoerds). Die Instrumente des Ancien régime waren - auch die nach dem Cembalo - unbeledert. Nicht um „Authentizität“ oder „Original“klang geht es mir dabei. Sondern um die radikal andere Klangwelt von Clavichords, Tangentenflügel, Hammerflügel (auch Mozarts Walter-Flügel hatte lederfreie Hämmer). Sie legen eine andere Spielweise nahe. Und die leuchtet mir, neben dem Klang, noch mehr ein als Bezuidenhouts fabelhaftes Mozartspiel. In punkto Virtuosität, Kreativität und Erzähltalent liegen beide für mich gleichauf. Stefan Siegert (per Mail, eingestellt von der Redaktion)




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