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We Make The Rules

Jochen Rueckert

Whirlwind/Indigo 994722
(63 Min., 2/2014)

Vom Namen her dürfte keine Plattenfirma besser passen zu Jochen Rueckert als diese: Der 1975 in der Nähe von Köln geborene und seit 1995 in New York lebende Drummer zeigt bei seinem Debüt für das britische Label „Whirlwind Recordings“, dass er, soviel Wortspiel muss erlaubt sein, ein veritabler Wirbelwind auf seinem Instrument ist.
Rueckert pustet die Wollmäuse von allen schlagzeugerischen Standardsituationen des modernen Jazz: Wenn er swingt, bewegt sich der Groove in unterschiedliche Richtungen gleichzeitig, wenn er sich in Richtung Latin aufmacht, klingt das nicht nach sorgenloser Hüftschaukel-Musik, sondern wirkt wie ein virtuoser Kommentar der Postmoderne zum Tanz-Diskurs im Jazz.
Besonders beachtlich ist Rueckerts Umgang mit den Besen. Selten hat man dieses für gewöhnlich auf Balladen beschränkte Schlagzeuger-Arbeitswerkzeug so vielseitig eingesetzt gehört wie in den Stücken „Bess“ oder „Alloplasty“. Der Wahl-New Yorker wischt, wedelt, schabt und schmirgelt so behände, dass er damit wohl den gesamten Kölner Dom innerhalb kürzester Zeit staubfrei bekäme.
Dennoch hat man bei „We Make The Rules“ nicht das Gefühl, eine Schlagzeuger-Platte in den Händen zu halten. Was zum einen an den komplexen, in langen unvorhersehbaren Bögen denkenden Kompositionen Rueckerts liegt, zum anderen an der Autorität seiner Mitmusiker. Tenorsaxofonist Mark Turner, Gitarrist Lage Lund und Bassist Matt Penman schöpfen ihre gestalterische Kraft aus der Ruhe und der Intellektualität. Es brodelt und gärt in ihnen, aber niemals verlieren sie die Kontrolle. Das ist Fluch und Segen zugleich für dieses innerhalb von sieben Stunden aufgenommene Album: Es lässt einen frösteln; ganz so, als stände man mitten im Wind.

Josef Engels, 08.11.2014



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Auch ich empfinde diese Musik als kalt, seelenlos sogar. Dafür dürfte es gerne weniger Sterne geben, oder gar keine.




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