Wolfgang Amadeus Mozart

Klaviermusik Folge 5 & 6

Kristian Bezuidenhout


harmonia mundi HMU 907529
(141 Min., 11/2012 & 1/2013) 2 CDs

Das Klavierrepertoire des 19. Jahrhunderts ist mit spieltechnischen Perversitäten geradezu gespickt: Seit die Virtuosen-Komponisten jener Zeit sich mit halsbrecherischer Hochseilartistik die Klaviatur noch einmal ganz neu erobert haben, gehört Staunen machende Fingerzauberei fest zum Berufsbild des Pianisten. Mozarts Klaviermusik wurde seither schon öfters verunglimpft: „Technisch uninteressant“ und „kaum noch eine Herausforderung“, lauten entsprechende überhebliche Urteile. Dass jedoch technische Brillanz allein noch kein Entrébillet ins Wunderland der wahren Interpretationskunst ist, lehren uns nicht nur Lang-Langs skurrile Mozart-Darbietungen. Nein, selbst ein seriöser Interpret wie Marc-André Hamelin hat seine liebe Not mit diesem Repertoire.
Vor diesem Hintergrund zollen wir dem Südafrikaner Kristian Bezuidenhout höchsten Respekt für sein Wagnis, eine Gesamteinspielung aller Mozart-Soloklavierwerke vorzulegen. Folge fünf dieser Doppelnummer beginnt mit jener A-Dur-Sonate, deren initialer Variationssatz auf zahllosen Klavierklassen-Vorspielen todgenudelt worden ist: Vordergründige technische Schwierigkeiten gibt es kaum. Aber welch andere Art von Fingerzauberei versteht Bezuidenhout hier zu entfalten, um uns dieses Stück noch einmal ganz frisch erleben zu lassen! Wie überzeugend vermag er die klanglichen Möglichkeiten seines Fortpianos (dem Nachbau eines historischen Instruments der Wiener Manufaktur Anton Walter & Sohn) einzusetzen, um die expressiven Qualitäten dieser Musik bis ins Detail auszuleuchten! Wer einmal angefangen hat zu lauschen, der vermag von dieser Aufnahme nicht mehr zu lassen. Nicht weniger zauberhaft u.a. die Variationen über „Ah! Vous dirai-je, Maman“: Kleine artikulatorische Effekte lassen jede Wiederholung eines Abschnitts zur mit Spannung erwarteten Novität werden. Perlende Läufe und brillant bemeisterte Verzierungen sind nur die eine Hälfte der Eloquenz von Bezuidenhouts Vortragskunst; hinzu kommt eine agogische Sensibilität, die ihresgleichen sucht. Eine Sensation.

Michael Wersin, 08.02.2014



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.



« zurück

CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der
RONDO-Redaktion

Wirklich nur "Melancholie des Unvermögens"? Dem giftgezähnten Kanzelspruch Friedrich Nietzsches über Johannes Brahms mag man sich nicht mehr anschließen, wenn man von der vollmundigen Reife seines Chorwerks auch nur gekostet hat. Unvermögen nein, Melancholie: aber ja! Sein Schaffen im letzten Lebensdrittel ist bei Rücknahme der technischen Mittel zugleich von bittersüßer Wehmut und teilweise auch recht herben Tönen des Verzichts getragen. Diese Klangfarben machen auch die Auswahl an späten Chorwerken, die die Capella Amsterdam unter Daniel Reuss nun aufgenommen haben - blitzblank intoniert, warm im Klang und im Verhältnis der Stimmlagen hervorragend abgeschmeckt - zu einer schönen CD-Empfehlung zum Totensonntag. Der geistliche […] mehr »