Responsive image
Sergei Rachmaninow

Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27, Tänze aus "Aleko"

Royal Liverpool Philharmonic, Vasily Petrenko

EMI Classics 9154732
(73 Min., 11/2011 & 6/2012)

Die pathosgetränkte Nummer zwei in c-Moll, das auftrumpfende Schlachtross „Rach 3“: Sergej Rachmaninows Klavierkonzerte mussten sich die Gunst ihres Publikums nicht wirklich erkämpfen. Seine Sinfonien hatten es da schwerer. Die Premiere der Ersten im Jahr 1897 war ein solches Fiasko, dass sich Rachmaninow erst nach dreijähriger psychiatrischer Behandlung wieder zu komponieren traute. Und erst zehn Jahre später seine zweite Sinfonie schrieb.
Diese Schaffenspause hat sich gelohnt – wenn man die Sinfonie so packend und farbenreich musiziert wie das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra unter Vasily Petrenko. Flüssig, elegisch, unendlich weit spannen sich die Linien im ersten Satz vom einleitenden Largo ins Allegro. Bisweilen wirkt das Stück in dieser Interpretation wie der Seismograph einer manisch-depressiven Seele: Nervös auffahrenden Streichergesten folgt der jähe Absturz ins Bodenlose. Brütendes Blech, grummelnde Bässe. Dabei verliert das Werk nie die tiefe Wärme, die es durchglüht. Vasily Petrenko pflegt einen opulenten, dunklen Klang, und natürlich schwingt da viel Tschaikowsky mit – aber absolut schmalz- und schluchzerfrei. Der russische Dirigent arbeitet die raffinierten architektonischen Querverbindungen der Sätze heraus, mit stringenten Tempi und nobler Transparenz. Fabelhaft, mit welcher Frische, mit welchem Biss und Witz die Streicher im zweiten Satz artikulieren. Und wie elegisch und kantabel die Bläser im Adagio phrasieren.
Die mitreißenden Tänze aus der Oper „Aleko“ ergänzen die Aufnahme mit selten gehörten Rachmaninow-Klängen. Vasily Petrenko lässt das Royal Liverpool Philharmonic Orchestra schmissig und opernhaft aufspielen. Nadelstichpräzise Läufe, absurde Galopp-Raserei, eine farbenreich aufgefächerte Harmonik: furios.

Barbara Doll, 15.12.2012



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn ein zeitgenössischer Komponist kommerziell erfolgreich ist, wird er oft misstrauisch beäugt. Wenn seine Musik auch noch für Laien interpretierbar ist, umso mehr. Eric Whitacre zum Beispiel: 1980 im amerikanische Nevada geboren, charismatisch, Chor-Guru. Er mobilisiert Massen mit seinen selbstkomponierten Liedern und wird in den USA als Komponist und Dirigent begeistert gefeiert, hat die dortigen Klassik-Charts schon früh erobert. Doch seine Chorsätze sind: einfach gut. Und greifen auf […] mehr »


Top