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Felix Mendelssohn Bartholdy

3. Sinfonie op. 56 („Schottische“)

Wiener Philharmoniker, Gustavo Dudamel

DG/Universal 479 0083
(39 Min., 12/2011) LP

Wer seine Schallplattenspieler längst einmottete oder gar verschenkte, hat nun doppeltes Pech. Denn die Neueinspielung von Mendelssohn Bartholdys 3. Sinfonie gibt es ausschließlich im guten alten Vinyl-Format. Zugleich hat man keine Gelegenheit, eine der erfolgreichsten Musikernachwuchs-Initiativen zu fördern. Denn wie Gustavo Dudamel mit allen Beteiligten, von den Wiener Philharmonikern bis zum Produzenten, vereinbart hat, kommen die Verkaufserlöse samt und sonders dem venezolanischen Musikausbildungsprojekt „El Sistema“ zugute. Und fast ist zu vermuten, dass man sich auf diese Benefiz-Geste bereits im Vorfeld der Live-Aufnahme geeinigt hätte. Schließlich beeindruckt das Resultat dieser auch klangtechnisch exzellenten, weil nicht zuletzt tiefengestaffelten Einspielung.
Bei Mendelssohns „Schottischer Sinfonie“ reichten die bisherigen Deutungen von der Über-Brillanz eines Karajan über das balladesk Gewichtige von Klemperer bis zur klangtransparenten Röntgenanalyse eines Frans Brüggen. Dudamel bietet zwar von allem etwas, und doch gelingt ihm ein moderner Mittelweg, der alle Mendelssohn-Klischees beiseite wischt. Der Eröffnungssatz besitzt die nötige Spröde, um den Klassizisten Mendelssohn als großen Romantiker auszuweisen. Das „Vivace ma non troppo“ ist vital, aber eben nicht ein vordergründiges Divertissement. Im langsamen Satz entwickelt sich die Zusammenarbeit zwischen Dudamel und den Wienern zu einem mehrstimmigen Wunder. Und im Finale geht es impulsiv statt gehetzt, brisant knisternd und voller Leuchtkraft zu. Fragen Sie mal Ihren Nachbarn, vielleicht hat er ja noch seinen Schallplattenspieler …

Guido Fischer, 16.06.2012



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