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Béla Bartók

Violinkonzerte Nr. 1 u. 2

Arabella Steinbacher, Orchestre de la Suisse Romande, Marek Janowski

Pentatone Classics/Codaex PTC 5186350
(61 Min., 7/2009)

Als Vorbilder nennt die 1981 in München geborene Arabella Steinbacher Ana Chumachenko, Anne-Sophie Mutter und Ivry Gitlis. Was die Münchner Chumachenko-Talentschmiede und die "Über-Mutter" angeht, so verwundert dies kaum. Der Name des 88-jährigen, in Haifa geborenen Wahlfranzosen Gitlis hingegen schon. Nicht etwa, weil dieser hierzulande wenig bekannt ist, sondern weil dessen legendäre Einspielung von Bartóks 2. Violinkonzert aus dem Jahr 1956 zu den exaltiertesten Geigendarbietungen des letzten Jahrhunderts überhaupt zählt. Seine junge Bewunderin hingegen schlägt einen weit moderateren, temperierteren Ton an. Man kann das durchaus rechtfertigen mit der äußeren Klassizität und dem über weite Strecken "versöhnlichen" Tonfall des 1937/38 geschriebenen Auftragsopus. Allerdings: Bei allem Zurücktreten rhythmischer Schroffheiten zugunsten melodischer und harmonisch-tonaler Gesangslinien wartet das große Spätwerk doch noch mit etlichen Ecken und Kanten auf. Und die geht Gitlis weit expressiver, feuriger und agressiver an als seine Schülerin. Zweifellos bezaubert diese mit einem lupenreinen, schnörkellosen und gleichzeitig warmen Ton, der sie zur "Schönheits"-Königin ihrer wahrhaft großen Geigerinnen-Generation macht. Der lydische Mittelteil wie auch der Eröffnungssatz des ersten Violinkonzerts, mit dem Bartók 1908 seine Freundin "überirdisch und innig" porträtieren wollte – diese traumverlorenen Romantizismen können kaum betörender zum Singen gebracht werden. Die "unschöne" Kehrseite der aufwühlenden Bartók-Medaille aber bleibt, wie gesagt, bei der 29-Jährigen (noch?) zu verhalten. Da hätte sie mehr riskieren und auf ihren Dirigierpartner Janowski hören sollen, der seinen Musikern durchaus kräftig einheizt – wo nötig.

Christoph Braun, 25.09.2010



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