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Drop In The Ocean

Joachim Staudt

Personality Records/OUR PR 06
(45 Min., 5/2009)

Ein Debütalbum eines Saxofonisten, der sich nahezu puristisch auf das Alt-Instrument beschränkt und auf das Sopransaxofon, das heute fast obligate Zweitinstrument, verzichtet, ist ungewöhnlich – wollen doch Debütanten, zumal wenn sie eine eher der klassischen Moderne zuzurechnende Musik wie im vorliegenden Falle machen, meist beweisen, welch technisches und auch programmatisches Spektrum sie beherrschen. Bei Joachim Staudt ist vieles anders: In quasi klassischer Quartett-Besetzung erklingen ausschließlich Eigenkompositionen, die soundbewusst ganz unaufgeregt auf lange Melodiebögen setzen. Statt eines Pianisten hat er mit Frank Kuruc einen Gitarristen in der Band. Der spielt über weite Strecken rein akustisch, und sein sehr ökonomisches Spiel auf dem E-Instrument wiederum klingt fast wie das Naturinstrument. Dabei bezieht er sich auf Attila Zoller, Jim Hall und Kenny Burrell. Die Musik des Albums, bei der die Grenzen von Improvisation und Komposition fließend ineinander übergehen, ist eindeutig europäisch romantisch geprägt und zeugt von großem Selbstbewusstsein. Aber schließlich hat Joachim Staudt nach seinem Studium erst mal sieben Jahre lang in vielerlei Sideman-Tätigkeiten praktische Lehrjahre absolviert. Erstaunlich ist, dass dieser Musiker, der ein eigenes Projekt elektronischer Musik betreut, hier mit großer Sensibilität streng akustisch spielt und den Klang seines Instruments mit ferner Erinnerung an Lee Konitz in gewissermaßen nüchterner Melodieseligkeit zelebriert. Mit dem Bassisten Axel Kühn im Rhythmusteam hat er einen kongenialen Mann am Fundamentalinstrument, und der klassisch geschulte Schlagzeuger Daniel Kartmann macht aus der mit leichter Latin-Brise gekräuselten Rhythmik eine betörend sanfte Brandung. Mag die eine oder andere Betitelung auch Anderes suggerieren, dies ist herzerwärmende Sommermusik.

Thomas Fitterling, 21.08.2010



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Ein wunderbares Debut-Album. Entspannend und virtuos. Inbesondere der Klang der akustischen Gitarre gibt dem Zusammenspiel des Quartetts einen ganz besonderen, außergewöhnlichen Klang. Teilweise fühlt man sich an Folk- oder gar klassische Themen erinnert. Hoffentlich folgt bald mehr von dem Joachim Staudt Quartett!




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