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Fanny Hensel-Mendelssohn, Felix Mendelssohn Bartholdy

Abschied vom Walde - Chormusik

Vocal Concert Dresden, Peter Kopp

Berlin Classics/Edel 0016522BC
(56 Min., 8/2009) 1 CD

Vor 15 Jahren hätte man an die apokalyptischen Waldschadensberichte bzw. – wie es der Franzose sagt – "Le Waldsterben" gedacht. Bis dato aber assoziierte man bei "Abschied vom Walde" die – ebenfalls urdeutsche – Flucht vor der "geschäft'gen Welt" unter das idyllisch "grüne Zelt", jene romantische Wald- und Naturschwärmerei also, die Eichendorff in betörende Verse goss und die dem Bürgertum die ureigene Gattung des weltlichen Chorliedes bescherte. Bildung, Geselligkeit und bürgerliches Selbstbewusstsein manifestieren sich in ihm wie nirgends sonst. Kein zweites (Geschwister-)Paar verkörpert diese Trinität wie die Wunderkind-Sprösslinge Fanny und Felix Mendelssohn mit ihren "Sonntagsmusiken" in ihrem Berliner Salon in der Leipziger Straße. Dass Fanny kompositorisch dabei ihrem drei Jahre jüngeren, ungleich berühmteren Bruder in nichts nachstand, davon zeugt nun die Chor-Anthologie, die Peter Kopp mit seinem "Vocal Concert Dresden" zusammenstellte, und zwar aus Fannys Gartenliedern op. 3 und Felix' mehrbändigen "Liedern, im Freien zu singen". Die (ehemaligen) Absolventen der Dresdner Musikhochschule und des Kreuzchores glänzen in diesen "kleinen Thieren" (wie Felix die kurzen, schlicht anmutenden und doch kunstvoll gesetzten A-cappella-Stücke nannte) mit jungen, frischen Stimmen. Transparenz, lupenreine Intonation, putzmuntere Artikulation und ein helles, vibratofreies Timbre sind ihre Markenzeichen – wobei man allenfalls dem sehr jugendlich klingenden Sopran etwas mehr getönte Erdfarben wünscht. Vielleicht hätte man mitunter auch ein wenig mehr Gefühlsregungen zeigen können (ohne gleich in röhrende Männerbrunft zu verfallen). Aber das sind nur kleine Einwände an dieser rundum glück- und sehnsuchtsvollen Romantikstunde aus Dresden.

Christoph Braun, 23.01.2010



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