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Max Bruch, Felix Mendelssohn Bartholdy

Streichquintette

Henschel Quartett, Kazuki Sawa, Kazuki Glassl

Neos/Codaex NEOS 30901
(76 Min., 7/2008 u. 4/2009) 1 CD

Warum addiert ein Komponist zum "idealen" Streichquartett noch eine fünfte Stimme, sei es zweite Bratsche oder zweites Cello? Die Antwort gibt ein verblüffter Robert Schumann: "Hat man im Quartett vier einzelne Menschen gehört, so glaubt man jetzt eine Versammlung vor sich zu haben." Zweite Bratsche oder zweites Cello sind also Bindeglieder zwischen Kammer- und Orchestermusik, sie öffnen den Klang weit mehr als mit nur einer Stimme. Das demonstriert diese Aufnahme mit zugunsten des Orchestralen verschobener Gewichtung: Die Henschels plus Kazuki Sawa (Bruch) bzw. Kazuki Glassl musizieren eher handfest-volltönend als kammermusikalisch ausdifferenziert. Aber beide Seiten gleich stark zu beleuchten, wäre auch schwierig. Und bei allzu viel Getüftel droht Zerfall.
Andererseits, muss man Mendelssohns überaus spannende Genrebeispiele, das Jugend- und das Spätwerk, unbedingt mit Max Bruchs ziemlich akademischem Diskurs koppeln? Warum nicht zum Beispiel das Opus 88 von Johannes Brahms, das er selber "ein Frühlingsprodukt" nannte? Bruch ist immer der schwächere Brahms. Aber nein: Max Bruch, dessen spätes Streichquintett die Henschels & Co. überhaupt erst 2008 in Londons Wigmore Hall uraufführten, ist das Zentrum der Aufnahme – und Mendelssohn die Füllung! Das Bruch-Stück erscheint denn auch noch genauer gearbeitet und mit höherer Identifikation vorgetragen als Mendelssohns Tandem. Das macht es letztlich zwar nicht besser, als es ist – aber den Repertoirewert der Veröffentlichung hebt es durchaus.

Thomas Rübenacker, 20.11.2009



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