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Ludwig van Beethoven, Maurice Ravel, Johannes Brahms, Alberto Ginastera, Paul Constantinescu

Klavierwerke

Mihaela Ursuleasa

Berlin Classics/Edel 0016542BC
(75 Min., 5/2009) 1 CD

Wir kennen die Dame als nicht nur äußerst anmutiges, sondern dazu als quirliges Wesen. Ravels Ondine, sie entsteigt dem Wasser nach anfänglichem Zögern und Zaudern mit allerlei arabeskem Schwung. Nicht so bei Mihaela Ursuleasa. Auf ihrer Debüt-CD, die den Hörer mit auf eine Reise zu nehmen gedenkt, "die von der Vergangenheit in die Gegenwart und zugleich zu ihren [der Interpretin] rumänischen Wurzeln zurückführt", lässt sie den ersten Satz aus dem pianistischen Opus Magnum des französischen Komponisten erscheinen wie ein somnambules Wesen: ätherisch, der Welt nicht zugewandt, sondern abhandengekommen, beinahe sphärisch, mystisch, fast könnte man ausrufen: skrjabinesk. Eine außergewöhnliche Interpretation, die den Ausdruckswillen der jungen Pianistin bezeugt, gleichwohl einige Fragen in den Raum stellt: Entspricht eine solch gedehnte Version den Intentionen des Komponisten? Geht sie da nicht zu hohes Risiko ein? "Le Gibet" beantwortet die Frage auf seine Weise: Das Langsame, Tastende, Durchzuhörende, es ist (frag-würdiges) Prinzip. Und wird selbst durch den energischen, aber wiederum zu stark reflektierten Auftritt von Scarbo im Finale nicht gänzlich widerlegt. Ein Kobold, denkt er so viel? Auch in den drei Intermezzi op. 117 von Brahms scheint Mihaela Ursuleasa nicht herauszukommen aus dem fest gefügten Konzept. Das ist alles sehr ausgeklügelt in die Tasten gesetzt, mit klanglichem Feinsinn, mit Abtönungen, die für sich einnehmen. Allein, man wird den Eindruck nicht los, dass diese Wiedergaben das Außerordentliche zu sehr suchen, als dass sie es aus der Musik allein begründen könnten. Eine Ausnahme macht die forsche, drängende, zupackende Wiedergabe von Beethovens c-Moll-Variationen. Hier zeigt sich das Vitalitätspotenzial dieser äußerst begabten Pianistin. Sie sollte es, so unsere bescheidene Meinung, nur stärker ausschöpfen und sich nicht im melancholischen Sinnieren über diese Welt verlieren.

Tom Persich, 23.10.2009



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uclrwyyl
»Wir kennen die Dame …«. Mit dieser Einleitung erweist sich der Rezensent als postpubertärer Phrasendrescher. Realiter hat Mihaela Ursuleasa hier eine glänzende CD vorgelegt. Aber wie meinte bereits Lichtenberg: »Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenschlagen, ist es nicht immer das Buch, das hohl klingt.«




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