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Richard Wagner

Tristan und Isolde

Iordanka Derilova, Richard Decker, Anhaltische Philharmonie Dessau, Golo Berg

Arthaus Musik/Naxos 101 325
(224 Min., 2007) 2 DVDs

Vor allem bei Berlinern gilt das Opernhaus im anhaltischen Dessau schon seit Jahren als Geheimtipp. Unter der Intendanz von Johannes Felsenstein hat sich das einst von den Nazis als "Bayreuth des Nordens" erbaute Haus den Ruf erarbeitet, "werktreue" Inszenierungen ohne große Regietheater-Experimente, dafür aber in hoher musikalischer Qualität zu bieten. Ein Anspruch, den das Haus auch mit seinem jetzt vorliegenden "Tristan" bestätigt: Die Inszenierung des Hausherrn, die das Orchester hinter die Bühne verbannt, erinnert in ihrer Askese stark an den Bayreuth-Stil der Sechzigerjahre, bleibt bei der Profilierung der Darsteller aber leider oft in Verlegenheitsgesten stecken.
Außergewöhnlich an dieser Produktion ist dagegen die Isolde von Iordanka Derilova: Optisch an die junge Waltraud Meier erinnernd, lädt die Polin ihre Partie mit packendem Furor auf. Im ersten Akt sprüht sie förmlich Zorn und Verbitterung, auch später, im (leider gekürzten) Liebesduett zielt Derilovas vollblütiger Sopran nicht auf lyrisches Dahinschmelzen, sondern auf ekstatische Unbedingtheit – der Liebestrank hat das Temperament dieser Isolde aus dem negativen Extrem des Hasses ins Delirium gewendet. Schade, dass sich Richard Decker als Tristan nicht davon anstecken ließ, immerhin singt er den traurigen Helden kultivierter als die meisten seiner Kollegen. Daneben punkten Marek Wojciechowskis gepeinigter Marke und Alexandra Petersamers fürsorgliche Brangäne, während Golo Berg am Pult der Anhaltischen Philharmonie einen gepflegten akustischen Rundhorizont auspinselt.

Jörg Königsdorf, 03.04.2009



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Sehr geehrter Herr Königsdorf, kleine Anmerkung zu Ihrer Kritik der Oper \"Tristan und Isolde\" (Anhaltisches Theater Dessau): Jordanka Derilova ist keine Polin, sondern Bulgarin, Absolventin der Staatlichen Hochschule für Musik in Sofia. Mit freundlichen Grüßen Dr. Ivan Tzitzelkov




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