Responsive image
Vincenzo Bellini

I Capuleti e i Montecchi

Anna Netrebko, Elīna Garanča, Joseph Calleja, Tiziano Bracci, Robert Gleadow, Wiener Symphoniker, Fabio Luisi

DG/Universal 477 8031
(128 Min., 4/2008) 2 CDs

Anna Netrebko gilt manchen Operninsidern als klassisches "Bubblegum": als banales Stimmfutter ohne Profil und Geschmacksnuancen. Dagegen respektieren dieselben, zynischen Afficionados Elīna Garanča als eine der wichtigsten Nachwuchssängerinnen der Gegenwart. Jetzt wurden beide Publikumslieblinge erstmals als Doppel vor eine Belcanto-Oper gespannt. Auch optisch. Das Cover, fotografiert von der für Beauty- und Erotik-Shootings berühmten Agentur Gabo, setzt die beiden genauso sinnfrei in Pose, wie es dieser Aufnahme entspricht. Netrebko und Garanča sind gewiss tüchtige Sängerinnen, aber dem Ruhm Bellinis erweisen sie mit dieser Aufnahme einen geringen Dienst. Die ineinander schmelzenden Stimmschönheiten bieten ein hübsches, musikalisches Bild der Vereinigung von Romeo und Julia (und sind dabei oft kaum zu unterscheiden). Den tragischen Ton, die Verwicklungen und politischen Dimensionen des Dramas bleiben sie schuldig. Joseph Calleja (Tebaldo) charmiert mit samtig eingedunkeltem Tenor. Die (eher typische) Indifferenz von Fabio Luisi am Pult der Wiener Symphoniker kann mit Vergleichsaufnahmen von Muti, Maazel oder selbst Runnicles nicht konkurrieren (bei denen dieses Werk viel brennender über die Rampe kommt).
Die Protagonisten genügen dem Grundsatz: "Diamonds Are a Girl's Best Friends." Sie führen ihre vokalen Juwelen spazieren – Netrebko den rotgoldenen Flitter einer vokal ahnungslosen Giulietta, Garanča den Bernsteinschmuck ihres fabelhaft sitzenden Mezzo-Romeo. Es bleibt charakterlos. Tatsächlich hat man den Eindruck, dass Operngesamtaufnahmen, so selten sie heute sind, auf die Geschmacksneutralität eines musikalischen Geschenkartikels reduziert werden. Auch der Titel des vorhin zitierten Films bewahrheitet sich – und gibt dem Lob der Profis gegenüber Garanča Recht: "Blondinen bevorzugt."

Robert Fraunholzer, 14.03.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten


Sehr geehrter Herr Rezensent, mit Verlaub ich habe selten so einen Unfug gelesen als wie Sie Ihn in dieser Kritik geschrieben haben. Ich hatte sogar das Gefühl, dass Sie diese CD gar nicht gehört oder diese eben nur oberflächlich wahrgenommen haben. Ein nach Ihrer Meinung sinnfreies Coverbild (was es durchaus nicht ist) gleich auf die Aufnahme zu übertragen ist schon etwas simpel. Doch wenn man Anna Netrebko und Elina Garanca genau zuhört, merkt man schnell, dass sie Gefühle und Stimmungen dieser Oper einwandfrei zur Geltung bringen. Und dies bescheinigen dieser Aufnahme einige nationale wie internationale Kritiken. Es ist aber heute einfacher als Kritiker aufzufallen der negativ über beide schreibt als positiv. Tja, wenn man sonst nichts kann. Wie heist es so schön: \"Die Hunde bellen, doch die Karawane zieht weiter.\"


Sehr geehrter Herr Frauenholzer, anscheinend kennen Sie dieses Werk so schlecht, daß es Ihnen die Tatsache entgeht, daß hier Belcanto auf höchstem Niveau betrieben wird. Ich war bei den Muti-Vorstellungen damals dabei, und was der \"typisch indifferente\" (was ein Vorurteil von ihnen signalisiert - das ist schlechetr Journalismus) Luisi hier mit den vorzüglichen Sängerinnen alles zaubert, ist geradezu sensationell. Und zum ersten Mal spielt ein Orchester Bellini ohne Schlamperei und mit Überzeugung. Das ist ja nicht indifferent. Offensichtlich beherrschen Sie auch die italienische Sprache gar nicht, um zu erkennen, welche Ziselierarbeit in den Rezitativen geleistet worden ist, und Bellini-Rezitative gehören zum schwersten, was es gibt. Das ist nicht nur Garanca, sondern des Dirigenten Verdienst. Leider disqualifizieren Sie sich mit einer solchen Kritik selbst. Gottseidank sehe ich in der internationalen Kritik doch Kollegen von Ihnen, die den wahren Wert dieser Aufnahme erkannt haben. Sie gingen aber ohne Vorurteile ans Werk.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Manchmal ist ein kleiner Skandal genau das richtige Marketing-Mittel: Sicher hat sich Maurice Ravel zwar ziemlich geärgert, als er sich mit seinem Streichquartett um den renommierten Rom-Preis bewarb, der vom Pariser Conservatoire mitgetragen wurde, und – zum wiederholten Male! – abgelehnt wurde. Die Begründung: Verstöße gegen die Kompositionsnormen. Doch letztendlich lenkte der „Skandal“ reichlich Aufmerksamkeit auf Ravels erstes und einziges Quartett. Denn hitzige Debatten […] mehr »


Top