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Felix Mendelssohn Bartholdy

Werke für Klavier

Sebastian Knauer

Berlin Classics/Edel 0016372BC
(70 Min., 5/2008) 1 CD

Alle Welt redet derzeit von diesem Mann. Kein Wunder, schließlich begehen wir seinen 200. Geburtstag, oder besser: die Erinnerung daran. Und immer noch ist dieses Gedenken ein getrübtes. Trotz mannigfaltiger Bemühungen von verschiedenen Seiten steht Felix Mendelssohn Bartholdy nach wie vor im Schatten der anderen Romantiker, steht er irgendwie eingeklemmt insbesondere zwischen Schubert und Schumann. Grund genug also, sich anlässlich des Jubiläums mal wieder mit seinem Oeuvre zu beschäftigen. So dachte wohl auch der Pianist Sebastian Knauer und ließ sich, weil seine Geburtsstadt die gleiche ist wie die des Komponisten, gleich mal am Hamburger Hafen ablichten fürs Cover. Doch keine Angst, auch der Inhalt der Aufnahme verdient die genauere Anschauung. Knauers Interpretationen einiger ausgewählter Klavierwerke sind bestimmt von einem wohltuend transparenten und schlanken Klangbild, von einer noblen Zurückhaltung in dynamischen Belangen und von einer Kantabilität, die den edlen Sänger in Mendelssohn Bartholdy deutlich zum Vorschein bringt, sprich den Schöpfer der "Lieder ohne Worte". Knauer spielt das alles sehr unprätentiös, mit vorsichtigen, vor allem atmenden Rubati, fein pedalisiert und mit einer Bedachtheit, die man gerne vernimmt. Während er – so paradox es klingen mag – damit unfreiwillig ein Vorurteil bestätigt, demzufolge die Musik Mendelssohn Bartholdys nicht selten ins Seichte sich wendet, zeigt Knauer im Hauptwerk der CD dann sein stupendes Können.
Sehr einfühlsam ist schon das d-Moll-Thema der (viel zu selten zu hörenden) "Variations sérieuses" gespielt, das Andante sostenuto. Und auch in der Folge waltet Behutsamkeit mit Noblesse, ist dieses meisterliche Werk in mildes Licht getaucht. Selbstredend nicht durchgängig. Die Staccatovariationen (Nr. 3 und 4) wie später die ratternde Variation Nr. 12 verlangen energischen Zugriff; Knauer hat ihn. Wie er auch die flinken Triolen in den Allegro-vivace-Variationen Nr. 9 und Nr. 10 sublim zu gestalten weiß. Sehr eindringlich gerät ihm dann das vierstimmige Moderato-Fugato, leuchtend klingt sein Cantabile in der elften Variation. Auch sein Leggierospiel vermag zu überzeugen, das bekundet die Variation Nr. 13. Die 15. Variation als Übergang (poco a poco più agitato) schließlich gestaltet Knauer logisch, um dann im Allegro vivace der Variation Nr. 16 die virtuose Pranke zu zeigen, dies aber delikat. Und obwohl er hier schon ziemlich schnell ist, gelingt ihm im Schluss-Presto noch eine veritable Steigerung. Chapeau!

Tom Persich, 25.02.2009



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