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Georg Friedrich Händel

Handel In Italy

Emma Kirkby, London Baroque

BIS/Klassikcenter BISSACD-1695
(67 Min., 3/2007) 1 CD

Gut gehen lassen hat es sich der junge Georg Friedrich Händel auf seiner Italienreise, beinahe schwerenöterisch geschlemmt und pokuliert hat er auf Kosten seiner begeisterten Gastgeber. Er schenkte ihnen dafür aus der Fülle seiner nie versiegenden Schöpferkraft Unmengen von Musik, viele italienische Kantaten vor allem, die in den Soireen der Paläste römischer Kardinäle und Adliger zum Besten gegeben wurden, in der Regel wohl mit dem ausgelassen improvisierenden Händel am Continuo-Cembalo.
Im Gegensatz zu Händels jugendfrischem italienischen Schaffen wird Emma Kirkbys Gesangskunst - so schlimm das für die langjährigen Verehrer ihrer scheinbar unverwüstlichen vokalen Präsenz auch ist – mittlerweile unüberhörbar von einem herbstlichen Schleier bedeckt. Nicht, dass es gröbere Mängel gäbe: Bis heute singt Emma Kirkby souveräner und klangschöner als so manche ihrer Nachfolgerinnen. Aber gemessen an ihrem eigenen Niveau blieb natürlich stimmlicher Glanz auf der Strecke, und eine gelegentliche Zähigkeit in der Linienführung bildet einen Kontrapunkt zur vormalig betörenden Flüssigkeit ihres Gesangs. Hinzu kommt – auf dieser CD nach Ermessen des Rezensenten erstmals wahrnehmbar – eine leichte Einschränkung der einst grenzenlosen Koloraturfähigkeit.
All dies hört der intime Kenner von Emma Kirkbys Stimme; wer dies nicht ist oder einfach weniger zum kritischen Vergleichen neigt, hört wohltimbrierten, interpretatorisch fein durchgestalteten und dabei stets eng dem Wort verbundenen Händelgesang, begleitet von den hervorragenden Streichern und Continuospielern des Ensembles „London Baroque“. Händels Kantaten sind in ihrer ganzen Fülle noch immer ein teilweise ungehobener Schatz, auch wenn in den letzten Jahren einige der bekannteren Werke verschiedentlich eingespielt wurden. Das vorliegende Programm jedoch dürfte auch für den Händelvertrauten – und gerade für diesen! – einige Überraschungen bereithalten. Ins Zentrum der Werkfolge stellt Charles Medlam, der Chef von „London Baroque“, außerdem ein „Concerto a quattro“ für vier Streicher, das sich in der Bibliothek des musikliebenden Grafen Schönborn zu Wiesentheid fand. Das überaus reizvolle Werk wurde auch schon Telemann zugeschrieben – man höre und entscheide selbst.

Michael Wersin, 05.09.2008



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SuperschlankerfeuchterTraum
Herbstlicher Schleier? Ja. Aber ist der nicht überaus reizvoll? Alles wahrhaft Schöne ist melancholisch.




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