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Georg Friedrich Händel

Klaviersuiten

Evgeny Koroliov

Hänssler Profil/Naxos PH08033
(78 Min., 1/2007) 1 CD

Man hört es und ist auf der Stelle verzaubert. Welche Anmut! Welch Erhabenheit! Welche Schönheit! Kein Zweifel kann bestehen: So intensiv flüsternd, so unvergleichlich in ihrer polyfonen Dichte wie diese Musik durch die Welt wandert und alles zum atemlosen Stillstand bringt, kann sie eigentlich nur vom Größten selbst sein, von JSB. Ist sie aber nicht. Georg Friedrich Händel heißt der Meister, der solch wundersame Töne und Klänge ersann, genauer: die Suite Nr. 4 in d-Moll HWV 437. Mit ihr beginnt Evgeni Koroliov seine Aufnahme, und mit ihr beginnt eine faszinierende Reise durch die Vielfalt der barocken Epoche, die man ja so leicht – jedenfalls was ihre pianistischen Reize angeht – auf Bach und Domenico Scarlatti zusammenstreicht. Mit allerfeinstem Klangsinn spielt Koroliov schon das d-Moll-Stück. Wobei spielen der falsche Ausdruck ist: Koroliov versenkt sich in die Musik. Er meditiert. Leise, für sich, inniglich. Doch eben darin liegt die große Expressivität seiner Lesart: Er lässt die Totalität dieses Händel'schen Geniestreiches unangetastet. Er trägt lediglich vor, welch ungeheure, nachgerade spirituelle Energie darin wohnt. Sein Ton ist dabei singend und: semplice, das Tempo durchgängig langsam, getragen, unauffällig. Und selbst in der Jigg, die nach kaum einer Minute vorbei ist, dreht Koroliov nicht unnötig auf, sondern präsentiert einen kleinen Tanz von bescheidenem Zuschnitt. Diese Haltung und vor allem den Tonfall der Versachlichung bewahrt er sich auch in den drei anderen Suiten, die auf dieser Aufnahme versammelt sind und selbst dort, wo Händel einmal wuchtiger wird. Wer sich für eine Stunde von der Welt verabschieden und in sich gehen will, dem sei diese Einspielung von Herzen anempfohlen. Denn noch beim fünften Male hört man es und ist auf der Stelle verzaubert ...

Tom Persich, 08.08.2008



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Kommentare

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Die transparenten Aussagen des Rezensenten in Ehren; aber ein bisschen mehr Kontrast beim Tempo und ein bisschen mehr forte, dort, wo Händel einmal wuchtiger wird, hätte es schon sein sollen. Dann wäre es immer noch eine eher meditative Interpretation geworden. Wessen Ohren nicht auf einen durchgehend zarten Anschlag geeicht sind, dem sei anstatt Koroliovs Interpretation die Gesamtaufnahme der Suiten von Ragna Schirmer empfohlen.




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