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Frédéric Chopin, Sergei Rachmaninow

Klaviersonaten, Berceuse Op. 57, Barcarole Op. 60

Hélène Grimaud

Deutsche Grammophon/Universal 477 5325
(62 Min., 12/2004) 1 CD

Es fällt leicht, Hélène Grimaud für diese Aufnahmen zu loben. Zunächst einmal spielt sie so schön Klavier. Alles ist wohlplatziert, mit dem angebrachten Ausdruck an Dynamik und Rubato versehen, es klingt wunderbar und ist in technischer Hinsicht natürlich brillant, wenn auch nicht überschwänglich virtuos, aber das mag man ja sowieso nicht, wegen der Oberflächlichkeit. Dann sieht sie auch noch wunderschön aus, wie uns insgesamt elf Fotos der Künstlerin auf Cover und Booklet zeigen.
Um "Tod und Transzendenz", so sagt es Grimaud, gehe es in ihrem Programm, und das ist schon ein merkwürdiger Gegensatz zu ihrem Interpretationsstil. Vielleicht möchte sie das "Transzendente" betonen, das uns nach dem Exitus möglicherweise in eine bessere Welt führt, aber von einer dunklen Seite, von Abgründen, von Verzweiflung ist in ihren Interpretationen wenig zu spüren. Chopins Sonate Nr. 2, die mit dem grässlichen Trauermarsch, steht also auf dem Programm, dann die Sonate Nr. 2 von Rachmaninow, und damit es nicht zu luguber wird, noch die Berceuse Des-Dur Op. 57 und die Barcarole in Fis-Dur Op. 60.
Es herrscht also, wenn man mit etwas gesteigerter Erwartung an diese Aufnahmen herangeht, eine gepflegte Harmlosigkeit vor, und deshalb wird man gerade bei Rachmaninow letztlich das vermissen, was der Komponist mit den in die Tiefe menschlichen Empfindens absteigenden Akkorden und Melodien wohl vermitteln wollte. Eine gewisse Verzweiflung eben, ein hoffnungsloses In-sich-Kreisen. Was nützen die Lichtblicke, die heiter-melancholischen Momente, die sich auch in Rachmaninows Sonate finden, wenn sie des Kontrasts zum Dunkel entbehren? Hier ist viel von der möglichen Wirkung verschenkt worden. Man möchte der zweifelsohne hochbegabten und mittlerweile fest etablierten Pianistin zu weniger Kontrolle und zu mehr Spontaneität und Risiko raten. Nur so ließe sich die romantische Vision, die nach Carl Dahlhaus gerade das Zusammentreffen von Diesseits und Jenseits bedeutet, verwirklichen.

Matthias Reisner, 26.02.2005



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Diese Rezension - wenn sie in musikalischer Hinsicht überhaupt eine ist - beweist nur die Inkompetenz des Schreibers, musikalische Sachverhalte zu beschreiben und zu bewerten. Zu seinem Gunsten sollte man aber nachsichtig berücksichtigen, dass er offenkundig ziemlich musiktaube Ohren hat, wenn er insgesamt zu einer derartig blamablen Fehlbeurteilung kommt. Ich kenne sehr viele Aufnahmen dieser Werke, von denen keine mich mehr überzeugt, als diese, den Intentionen der Komponisten sehr nahe kommenden Darstellungen der Hélène Grimaud.




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