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Diverse

Romantic Arias

Jonas Kaufmann, Prager Philharmoniker, Marco Armiliato

Decca/Universal 475 9966
(65 Min., 8/2007) 1 CD

Als die Karriere des krisengeschüttelten Rolando Villazón zu unberechenbar wurde, brauchte, die Plattenindustrie dringend verlässlichen Ersatz. Die Wahl fiel auf Jonas Kaufmann, der zugegebenermaßen sehr gut aussieht und sich schon seit Jahren auf vielen Opernbühnen bewährt hat. Allerdings ließ der Durchbruch zum Star bislang auf sich warten. Nun hat Decca eine umfassende Kampagne gestartet, und prompt sind seine Auftritte beispielsweise an der Berliner Staatsoper heiß begehrte Events. Auf seiner ersten Solo-CD singt er sich einmal quer durch das deutsche, italienische und französische Tenorrepertoire und lässt im lyrischen und im heldischen Fach nichts aus, was Eindruck machen könnte. Das reicht von "Che gelida manina" über die Blumenarie aus "Carmen" bis zum Preislied aus den "Meistersingern". Doch die Stimme spricht nicht leicht an, sitzt immer etwas zu weit hinten, bleibt leicht verraucht. Für den "Rigoletto"-Herzog fehlt ihm die Leichtigkeit, für Gounods-"Faust" der französische Duft. Von Ferne gemahnt die Stimme an Jon Vickers, ebenso wie der eigenwillige Kanadier beißt er sich im Text fest, ohne die weiten Bögen ausschwingen zu lassen. Dabei ist Kaufmann ein versierter Gesangstechniker: Jeder Effekt ist exakt kalkuliert, jeder Schluchzer sitzt am "richtigen" Fleck, die voix mixte in Gounods "Faust" wird genau dosiert eingesetzt. Ein tragfähiges Piano ist jedoch auf der gesamten CD nicht zu hören. Einigermaßen frei wird die Stimme erst ab dem bequemen Mezzoforte, wenn es richtig laut wird, zeigt Kaufmann imposante Kraft. Doch kann das den Zuhörer nicht berühren, weil sein allzu abgewogenes Singen nicht authentisch wirkt, sondern sich der technischen Mittel stets bewusst ist. Am besten funktioniert das noch in Walthers Preislied aus Wagners "Meistersingern", in dem die baritonale Grundlage von Kaufmanns Stimme angenehm zur Geltung kommt. Auch die routiniert spielenden Prager Philharmoniker unter Marco Armiliato verstärken den Eindruck, dass es sich hier um ein weiteres flott zusammengenageltes "Hit-Album" handelt, mit die Plattenfirma Universal ihre Opernsänger wie Popstars vermarkten möchte.

Uwe Friedrich, 25.04.2008



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Kommentare

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Nach über zwei Jahren zeigt sich, wie wenig der Autor seinerzeit wirklich zu hören vermochte. Wenn man eine derart singuläre Stimme nicht erkennen kann, dann sollte man’s vielleicht mit Rezensionen über Orgelmusik versuchen. Von wegen »flott zusammengestelltes Hit-Album«!




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