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Johannes Brahms, Richard Strauss, Heinrich von Herzogenberg

Cellosonaten

Johannes Moser, Paul Rivinius

Hänssler/Naxos 93.207
(79 Min., 6/2006, 12/2006) 1 CD

Mit das Reizvollste an der Compact Disc war immer ihre Nischenausleuchtung. Man konnte die 68. Gesamtaufnahme der Brahmssinfonien nicht mehr verkaufen, also "entdeckte" man "seinen Kreis", Leute wie Heinrich von Herzogenberg, Otto Dessoff und andere. So auch auf dieser CD. Sie beginnt zwar mit Richard Strauss, der nur sehr weitschweifig ein "Zeitgenosse" von Brahms genannt werden kann, aber immerhin sehr effektvolle Musik liefert: Seine einzige Cellosonate F-Dur, ein Frühwerk, lässt den Vorhang aufrauschen mit einer Aufbruchsemphase fast wie später im "Don Juan". Aber hier beginnt schon die Kritik. Eine CD, sofern nicht "live" mitgeschnitten, ist ja kein Konzert, sie hat üblicherweise ein strikteres Programm. Und da fällt doch bei dieser das starke Qualitätsgefälle auf. Brahms’ erste Cellosonate ist ein Meisterwerk, um das der Komponist hart gerungen hat. Herzogenbergs dritte Sonate op. 94 hingegen ist das, was man Brahms immer wieder fälschlich vorwarf: Werk eines sauber arbeitenden Akademikers. Und Strauss eben weder-noch, sondern der genialische Impuls eines jugendlichen Brausekopfes. Das passt alles haarscharf nicht.
Über das Spiel der beiden Partner allerdings lässt sich nichts Schlechtes sagen. Der Cellist Johannes Moser, ein Jahrgang 1979, versucht zwar, im Booklet den Bogen zu schlagen, aber sein Spiel spricht eine andere Sprache. Bei Strauss prunkt er zutreffend, das schäumt fast über, während der Brahms mitunter geradezu spröde gestaltet wird. Protestantisch, mit Blick auf Brahmsens Bachliebe. Jedenfalls nicht als klangsattes Gewühle, sondern leichtfüßig, jugendlich-rasch und unsentimental. Weil Moser einen je eigenen Ton findet, klingt dann natürlich der Herzogenberg bisweilen herzlich bieder. Allen Booklet-Beteuerungen des Interpreten zum Trotz. Und dass Paul Rivinius einer der gewieftesten Klavierbegleiter der heutigen Konzertszene ist, bräuchte man eigentlich gar nicht zu erwähnen. Er fährt zweigleisig, nimmt "einen Ton" auf und gibt Impulse, es geht nicht besser. Ohne Zweifel ist der Geringasschüler Johannes Moser bereits heute ein Star der ersten Reihe – was nur leider noch nicht bedeutet, damit würde alles hörenswert, was er spielt. Sozusagen zu "Des Weltalls Summe", wie das Booklet-Gespräch überschrieben ist.

Thomas Rübenacker, 11.04.2008



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Kommentare

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Ich finde, mit nur zwei Sternen kommt diese CD deutlich zu schlecht weg. Zwei Sterne gehen für mich schon in Richtung Verriss, der differenzierte Kommentar von T. Rübenacker ist dies aber keineswegs. Die Sonate von R. Strauss hat zwar stürmisch jugendliche Züge, die Johannes Moser durch sein Spiel noch hervorhebt. Doch da ist auch das intensive, manchmal fast resignierten Lebensüberdruss suggerierende Andante, das der Sonate eine ganz besondere Dramatik und auch Tiefgang verleiht. Für mich mehr als nur das Stück eines Frühbegabten. Die Sonate kann schlicht als tolle Musik bestehen. Brahms\\\\\\\' Sonate wird von Moser und seinem kongenialen Partner Rivinius ganz eigen, schlank und \\\\\\\'geradeheraus\\\\\\\', subtil in der Dramatik dargeboten. Keine schmachtende emotionale Flut, dennoch nicht unentschlossen oder sachlich. Eine faszinierende Interpretation, Moser und Rivinius scheinen sich blind zu verstehen. Für mich eine der besten Neuaufnahmen dieses Stückes der letzten Jahre. Bei der Bewertung der Sonate von von Herzogenberg kann ich T. Rübenacker allerdings nur zustimmen. Dieses Stück hätte es nicht gebraucht, man vernimmt es teilnahmslos - der einzig negative Punkt dieser CD. Ich gebe ihr vier Sterne und eine unbedingte Kaufempfehlung. Noch anzumerken bleibt, dass die Aufnahmequalität auch hohe Audiophile Ansprüche erfüllt.




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