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Orlando di Lasso

Il Canzoniere di Messer Francesco Petrarca

Huelgas Ensemble, Paul Van Nevel

harmonia mundi HMC 901828
(51 Min., 7/2003) 1 CD

Mit einer Auswahl aus Orlando di Lassos Petrarca-Vertonungen bereichern Paul Van Nevel und sein Huelgas-Ensemble den CD-Katalog maßgeblich, denn die meisten der für diese CD eingespielten sind momentan in keiner anderen Einspielung erhältlich. Aber präsentiert van Nevel Lassos weltliche Musik auch in vorteilhafter, für den Hörer gewinnbringender Weise? Darüber kann man zumindest geteilter Meinung sein: Madrigale waren für die Komponisten des 16. Jahrhunderts ein dankbares Experimentierfeld, auf dem sie sich in engem Wort-Ton-Bezug auch satztechnische Besonderheiten und Wagnisse erlaubten. Solche Raffinessen kommen in der Interpretation am besten zur Geltung bei eher trockener Klangentfaltung, recht direkter Abnahme und "gleichberechtigter" Besetzung der einzelnen Stimmen des Satzes. Van Nevel wählte als Aufnahmeort jedoch einen halligen Kirchenraum (obwohl Madrigale doch Kammermusik sind), in dem sich der Klang eher verliert als bündelt; außerdem besetzt er häufig nur einzelne Stimmen des polyphonen Geflechts mit Sängern, während der Rest von verschiedenen Instrumenten zwangsläufig textlos vorgetragen und dadurch vom Hörer tendenziell eher akkordisch-vertikal als polyphon-horizontal wahrgenommen wird. Damit verweist Van Nevel - trotz häufiger Mehrfach-Besetzung der Vokalstimmen - in Richtung Monodie, denn der frühbarocke Sologesang entwickelte sich aus eben jener Hervorhebung einzelner Linien aus dem polyphonen Geflecht bei gleichzeitiger Zusammenfassung des übrigen Geschehens zu einer mehr akkordisch-generalbassartigen "Begleitung". In seinem Beihefttext jedoch grenzt er im Gegensatz dazu Lasso gerade vom italienischen madrigale arioso eines Marenzio oder de Wert ab. Musikalisch gelingt ihm diese Abgrenzung dann allerdings lediglich durch eine oftmals allzu ätherische und zu wenig zupackende, ja fast etwas lethargische Anlage vor allem der vokalen Ebene. Der Hörer vermisst darüber hinaus die Anführung der Entstehungszeiten der aus verschiedenen Schaffensperioden stammenden Stücke, nachdem Van Nevel im Beiheft eigens auf diesbezügliche stilistische Unterschiede verweist.

Michael Wersin, 03.07.2004



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