Responsive image
Béla Bartók

Konzert für Orchester, Der Wunderbare Mandarin

Sinfonieorchester Kyoto, Uwe Mund

Arte Nova/BMG 7 43217 70642 5
(57 Min., 4/2000) 1 CD

Ich muss gestehen, dass mich als alten Essener beim Hören dieser CD ein bisschen der Lokalpatriotismus überkommt. Nicht, dass ich mich besonderer Beziehungen zur alten japanischen Kaiserstadt Kyoto rühmen dürfte, wo das hier musizierende Orchester seinen Sitz hat. Aber der Dirigent des Ensembles, Uwe Mund, der hat früher gleich um die Ecke gewirkt, nämlich als GMD in Gelsenkirchen.
Nun also wirkt er am Pult eines japanischen Stadtorchesters, das sich indes vor deutschen Pendants keinesfalls verstecken muss. Die gemeine Einsatzstaffette im ekstatischen Finale von Bartóks Konzert für Orchester etwa bewältigen sie mit Präzision und Brillanz. Hier muss man nicht, wie sonst gelegentlich bei Niedrigpreis-Produktionen, Einbußen im technischen Können hinnehmen. Die charakteristischen Züge bartókscher Orchestermusik kann diese Produktion dennoch nicht richtig einfangen. So wird der Kofpsatz des Konzerts für Orchester ins Kolossalische gewendet: Hat Bartók hier wirklich für Hollywood komponiert? Dem zweiten Satz, dem „Spiel der Paare“, fehlt es an lebendig erfühlter Binnenspannung, die aus präziser Exekution des Metrums erst Rhythmus wachsen lässt. Die Elegie gerät zu sentimental. Das Finale wird zwar genau, aber ohne Exstase „durchgezogen“ wie auch die Orchestersuite „Der Wunderbare Mandarin“, deren Brutalo-Sound viel zu wohlerzogen aus dem Lautsprecher dringt.
Vielleicht hat dieses Orchester seine Stärken gar nicht in der Moderne, sondern eher in der romantischen Sinfonik eines Dvořák oder Tschaikowsky. Und vielleicht nutzt man diese Japan-Connection, um uns irgendwann einmal auch mit japanischer Kunstmusik jenseits von Takemitsu bekannt zu machen.

Stefan Heßbrüggen, 23.11.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Souvenir d’Italie: Wer bei russischer Kammermusik harmonisches Räucherwerk und schweren Samt erwartet und sich vorbereitend den Hemdkragen öffnen will, wird überrascht sein. Michail Glinka, der „Vater der russischen Musik“, war ein reisefreudiger Mann. Nachdem er seine stilbildende Oper „Ein Leben für den Zaren“ in St. Petersburg abgeliefert hatte, und weil es dort politisch so ungemütlich für Freigeister wie ihn wurde, begab er sich 1830 nach Italien und tauchte tief in die […] mehr »


Top