Responsive image
Felix Mendelssohn Bartholdy

Klaviertrios Nr. 1 op. 49 und 2 op. 66

Guarneri-Trio Prag

Praga/Helikon Harmonia Mundi 250 254
(56 Min., 12/2000) 1 CD

Wie Werke interpretieren, die für viele nicht viel mehr sind als rasch dahineilende Harmlosigkeiten - und die der Komponist selbst für "ein bisschen ecklig" zu spielen hält? So geschehen mit Mendelssohns Klaviertrios. Die meisten empfinden sie als Ausdruck äußerst glücklicher Lebensumstände, einer reichen, großbürgerlichen Herkunft, in der sich ein junger Mann niemals etwas erkämpfen musste. Als würden sich wahre Begabung und musikalische Fantasie erst am gesellschaftlichen und politischen Widerstand entzünden.
Wohl wahr, dass Mendelssohn nicht selten in langsamen Sätzen der Gefahr einer unverbindlichen Glätte erliegt. Wohl wahr aber auch, dass Robert Schumann Mendelssohns erstes Klaviertrio op. 49 von 1840 sogar ein "Meistertrio der Gegenwart" nannte. Das Guarneri-Trio Prag liefert eine in weichen Wohllaut eingehüllte Version mit allem, was der Biedermeier-Epoche gebührt: Klarheit, Harmonie und Beschaulichkeit.
Im komplizierteren Geschwisterwerk in c-Moll op. 66 von 1845 werden mehr Kanten und Akzente herausgearbeitet, besonders im kunstvollen Finale, das von fast sinfonischem Gepräge ist. Biedermeierliches Idyll, die "Wonne der Wehmut" kommt hier höchstens im zweiten Satz, dem "Andante espressivo", auf.

Thomas Rübenacker, 19.07.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top