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Jakob Bro

ECM/Universal ECM 2546
(41 Min., 2016)

Es lebe die Entschleunigung! So gewinnt jeder Ton, jede kleine Figur, jede Nuance in der Klangerzeugung an Bedeutung. Jon Christensen erzeugt mit jedem Schlag auf Trommeln und Becken andere Klänge, Palle Mikkelborg bläst auf Trompete oder Flügelhorn jeden Ton mit anderem Ausdruck, und die Saiten von Jakob Bros über eine Fülle von Effektgeräten gespielter Elektrogitarre und Thomas Morgans Kontrabass klingen ebenfalls ständig anders. In schnellen Nummern fiele dies weitaus weniger auf als in aus knappen Klangtupfern auf- und abschwellenden Stücken dieses Quartetts. Das Konzept Bros sieht jedoch keinen treibenden Beat vor, und die Rhythmusgruppe fungiert auch nicht als Motor des Geschehens. Stattdessen reichen die Ensemblemitglieder im Duo oder Quartett Hunderte von kleinen Melodien hin und her, die sich aus einem Ausgangsgedanken ableiten und diesen ständig neu variieren. Ist eine solche Phrase abgeschlossen, folgt eventuell eine neue, veränderte – oder aber das initiativ gewordene Ensemblemitglied zieht sich zurück und wartet ab, was die anderen mit dem Angebotenen anfangen, wer antwortet und wie die Reaktion ausfällt. In den acht Titeln fließt kein reißender Strom. Eher erinnert die Musik an einen schmalen Wasserlauf, an dessen Rändern sich kleine Wellen bilden, die sich ausbreiten, bis an die gegenüberliegende Seite reichen, dort reflektiert werden und wieder zurückkehren – und dies alles geschieht wie selbstverständlich und folgt einer inneren Harmonie. Es lohnt sich, die Alltagshektik hinter sich zu lassen und in den Klängen mitzuschwimmen, also auch sich selbst zu entschleunigen.

Werner Stiefele, 14.04.2018



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