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Johann Sebastian Bach

The Solo Cantatas For Bass

Christian Senn, laBarocca, Ruben Jais

Glossa/Note 1 GCD 924102
(54 Min., 4/2017)

Christian Senn ist ein Bassbariton chilenischer Herkunft, der sich vor allem im Bereich der italienischen (bzw. im weiteren Sinne der italienisch-sprachigen) Oper vom Barock bis zur Romantik engagiert. Die Musik von Bach ist ihm darüber hinaus offenbar ein besonderes Anliegen: Er hat u.a. mit dem Ensembleleiter Ruben Jais schon einiges aus diesem Bereich musiziert und eingespielt. Den Solo-Kantaten BWV 56 („Ich will den Kreuzstab gerne tragen“), BWV 82 („Ich habe genug“) und BWV 158 („Der Friede sei mit dir“) widmet er sich mit einer virilen und kernigen, aber niemals in störender Weise opernhaft geführten Stimme. Grundsätzlich ebenso kultiviert wie die Kantilenen behandelt er auch die Sprache, wobei sein leichter Akzent auffällt. In der ersten Arie aus BWV 158 (mit merkwürdig mattem und etwas ungelenkem Violinsolo) agiert Senn Tessitura-gemäß baritonaler, also in der oberen Lage weicher und insgesamt heller als in der Eingangsarie von BWV 56 – diese stimmtechnische Wandlungsfähigkeit überrascht positiv. Die Koloraturen in der Oboenarie von BWV 56 und im Schlusssatz von BWV 82 sind leider holzig und stark aspiriert, hier erinnert Senn unangenehm an Fischer-Dieskau in der Richter-Aufnahme. Die, wie gesagt, grundsätzlich kultivierte Sprachbehandlung kann nicht komplett darüber hinwegtäuschen, dass dem Sänger im Detail oft ein wenig der Zugang zur musikalisch-rhetorischen Ebene fehlt: In der Eingangsarie von BWV 56 gestaltet Senn die Seufzermotivik recht monoton, wodurch der große Bogen leidet. In BWV 158 fehlt ein wenig die lebendige Ausgestaltung des Einzelwortes, hier herrscht das Legato vor. In der ersten Arie aus BWV 82 verwundern dann im Blick auf den Text völlig unlogische Atemzeichen: Man fragt sich, ob hier überhaupt ein native speaker oder zumindest ein im deutschen ausreichend Bewanderter mit im Team war. Aus all diesen Einzelbeobachtungen ergibt sich ein sehr gemischtes Bild: Man hört Christian Senn wegen seiner sehr angenehm timbrierten Stimme prinzipiell gern zu, aber seine Bach-Kompetenz weist im Detail doch Grenzen auf, sodass derjenige, der genauer hinhört, immer wieder irritiert ist von Ungeschicklichkeiten der beschriebenen Art.

Michael Wersin, 14.04.2018



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