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Giuseppe Verdi

Calleja – Verdi

Joseph Calleja, Orquestra de la Comunitat Valenciana, Ramón Tebar

Decca/Universal 4831539
(63 Min., 2017)

Der 1978 auf Malta geborene Joseph Calleja verfügt zweifellos über eine der schönsten Tenorstimmen unserer Tage: Der Schmelz seines nicht allzu metallischen Materials ist so bemerkenswert, dass man sogar das permanent vorhandene schnelle Vibrato als nicht unangenehmen Bestandteil seines Timbres zu akzeptieren bereit ist.
Mit seinem neuen Verdi-Recital gewährt er mit einem Großteil der repräsentierten Partien einen Ausblick auf seine Bühnen-Zukunft – wobei man sich fragt, ob ein „Otello“ wirklich zu den realistischen Zielen gehört bzw. gehören muss. In „Celeste Aida“ jedenfalls, der Antrittsarie des Radames, liefert Calleja am Ende ein Hohes B, das (Verdis Vorschrift gemäß) nicht ein triumphal herausposaunter Spitzenton, sondern eine bis ins Piano decrescendierte Schlussnote ist. Das kurz zuvor in der Attacke zu nehmende andere hohe B hingegen zeugt auch von den Grenzen dieser lyrischen Tenorstimme: Etwas zu hoch, recht eng und nicht sehr körperhaft kommt es daher. Insgesamt fühlt sich der Hörer bei „Di quella pira“ aus dem „Trovatore“ etwas wohler: Hier scheint Calleja sich müheloser auf die vornehmlich zwischen dem mittleren und dem hohen C angesiedelte Tessitura einstellen zu können – jedenfalls findet er für den oberen Bereich dieser Skala eine Mischung, die weder die erforderliche Leichtigkeit noch die nötige Kraft vermissen lässt.
Insgesamt ist das Rezital ein Genuss. Calleja hat zweifellos weniger Metall und Durchschlagskraft als einstmals Pavarotti, gleichzeitig auch weniger Wucht und Körperhaftigkeit als Domingo – aber er geht bei Verdi einen dritten, eben einen lyrischeren Weg als die beiden großen Vorgänger, der zumindest auf CD durchaus überzeugen kann. Ob das auf der Bühne alles ohne Blessuren machbar ist, wird sich noch erweisen.

Michael Wersin, 10.02.2018



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