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Claudio Monteverdi

La dolce vita (Arien, Madrigale, Concerti)

Dorothee Mields, Lautten Compagney, Wolfgang Katschner

dhm/Sony 88985 49157 2
(78 Min.)

Keine drei Sekunden Musik sind erklungen, ohne dass der Alte-Musik-kundige Hörer weiß: Hier ist Wolfgang Katschner als Ensembleleiter und Arrangeur am Werk. Claudio Monteverdis „Lamento della ninfa“ aus dem achten Madrigalbuch ereignet sich über einem instrumentalen Lamento-Bass, der in langen Notenwerten notiert ist. Die Gestaltung dieses Bass-Modells eröffnet den Continuo-Spielern verschiedene Möglichkeiten: Sie können die langen Töne – zumindest anfangs – als solche wirken lassen und sparsam mit liegenden Akkorden aussetzen. Oder sie können die Liegetöne von Anfang an mittels Akkordbrechungen untergliedern, um der Spielfigur sogleich rhythmische Kontur zu verleihen. Katschner jedoch geht in dieser Hinsicht noch einen markanten Schritt weiter: Er ergänzt die Continuo-Gruppe um einen Perkussionisten, der zusammen mit dem rhythmisch improvisierenden Lauteninstrument ab dem ersten Schlag eine Art rhythmisches „Pattern“ erzeugt. Das ist ein reizvoller Effekt, wie er für den sehr rhythmus-affinen Katschner typisch ist und auch auf dieser CD häufig zur Anwendung kommt – die Musik wird durch diese Maßnahme sogleich in elegantes Schwingen versetzt. Aber das prägnante Markenzeichen der Lautten Compagney wirft auch Fragen auf: Passt diese Schwingung zum Charakter des Lamento? Und gibt es überhaupt irgendeinen Beleg dafür, dass die Continuo-Ebene seinerzeit so „getunt“ worden ist? Freilich lässt sich auch nicht das Gegenteil beweisen, aber es sei doch die Bemerkung erlaubt, dass ein solcher Popular-Effekt, wird er wieder und wieder eingesetzt, leicht zur Masche werden kann.
Insgesamt ist dieses Monteverdi-Solo-Rezital, für das Katschner auch zahlreiche vokal mehrstimmige Nummern bearbeitet hat (im Duett „Zefiro torna“ etwa hören wir in der zweiten ursprünglich gleichfalls zu singenden Stimme einen Zink) eine überaus reizvolle Angelegenheit: Die bewährte Sopranistin Dorothee Mields trifft allenthalben ebenso stimmschön wie affektnah den passenden Tonfall für Monteverdis Musik in der „Übersetzung“ durch Katschner. Wenn sich durch diese Art der Zubereitung ein breiteres Publikum für eine Epoche gewinnen lässt, die bis vor nicht allzu langer Zeit weitgehend noch eher eine Sache für Eingeweihte war, dann sei’s drum. Man würde sich allerdings manchmal wünschen, dass man bei der Darbietung eines Repertoires, für dessen Wiedergabe die Wahl der interpretatorischen Mittel so weitreichend am Ergebnis beteiligt ist, über ebendiese Wahl der Mittel noch deutlich mehr Aufschluss erhalten würde.

Michael Wersin, 13.01.2018



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