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Frédéric Chopin, Robert Schumann, Frederic Mompou, Samuel Barber u.a.

Chopin Evocations (Klavierkonzerte Nr. 1 & 2, Rondo für zwei Klaviere, Chopin-Variationen u.a.)

Daniil Trifonov, Sergei Babayan, Mikhail Pletnev, Mahler Chamber Orchestra

DG/Universal 4797518
(140 Min., 4 & 5/2017) 2 CDs

„Er ist der Allergrößte.“ – mit diesem Superlativ verbeugte sich einst Sergei Rachmaninow vor Frédéric Chopin. Doch nicht Rachmaninow allein war es, der mit seinen mal sehnsuchtsvoll, mal effektvoll inszenierten Klavier-Miniaturen an die von Chopin geprägte pianistische Kleinform anknüpfte. Dessen Erbe und Einfluss zieht sich wie ein roter Faden durch die russische Klaviermusik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Der schwärmerischste aller Chopin-Verehrer war vielleicht Alexander Skrjabin. Als einen „Freund und Bruder“ hatte er den Polen gar einmal bezeichnet. Und bereits im zarten Knabenalter soll Skrjabin sich dessen Noten vor dem Schlafengehen unters Kopfkissen gelegt haben. Dass Daniil Trifonov ausgerechnet diese beiden Chopin-Fans Skrjabin und Rachmaninow bei seinem immerhin zwei CDs umfassenden Chopin-Schrein unterschlägt, ist wohl dem Umstand geschuldet, dass er sich nicht an den immergleichen Recken abarbeiten möchte. So hat er für sein Doppelalbum „Chopin Evocations“ lieber Klavierstücke und Variationen von Komponisten ausgewählt, die man unter diesem Etikett nicht alle Tage zu hören kriegt. Schumann, mit der „Chopin“-Vignette aus „Carnaval“, oder Tschaikowskis „Und poco di Chopin“ mögen ab und an begegnen. Als kleine Überraschung entpuppt sich dagegen das „Nocturne“ des Amerikaners Samuel Barber, der im Jahr 1959 völlig gegen jede Moderne sein Stück im Geiste von Chopin niederschrieb. Aus wieder ganz anderem Holz sind die zwei Jahre zuvor entstandenen Chopin-Variationen des Katalanen Frederic Mompou, der das berühmte A-Dur-Prélude aus Chopins op. 28 in einen Mix aus Impressionismus und Wiener Charme tauchte. Entspannende Musik ist das, die den Widmungsträger dieser Porträt-CD in wechselndem Licht erscheinen lässt. Aber auch bei seinem eigenen großen Auftritt, den Klavierkonzerten Nr. 1 & 2, ist nicht alles so, wie man es gewohnt ist. Dirigent Mikhail Pletnev hat nämlich die Partituren reichlich entschlackt, für ein kammermusikalischeres Klangbild. Heraus kommt aber beileibe kein asthmatisch dünner Chopin, sondern ein weiterhin leuchtender, körperreicher und – wie im Fall des Eröffnungssatzes des 2. Klavierkonzertes – fast schumannhaft ernster. Was sowohl am Mahler Chamber Orchestra liegt, als auch vor allem an Daniil Trifonov, der diesen Konzerthits ihre Poesie zurückgibt. Das virtuos Brillante kommt bei ihm nicht aus den Fingern, sondern aus dem Geist. Herrlich funkeln lassen kann er es zum Schluss nochmal mit seinem Lehrer Sergei Babayan, mit dem er sich zusammengetan hat, um das Rondo für zwei Klaviere genussvoll auszukosten.

Guido Fischer, 11.11.2017



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