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Gabriel Fauré, George Enescu

„Idée fixe“ Vol. 1

Mariani Klavierquartett

GWK Records/Klassik Center Kassel GWK 138
(70 Min., 8/2016)

„Idée fixe Vol. 1“ nennt das Mariani Klavierquartett seine Kammermusik-CD mit Werken von Fauré und Enescu. Dieser Titel lässt hoffen: Man plant offenbar noch weitere Veröffentlichungen mit ähnlich obsessiver Musik – und wohl auch in ähnlich kompetenter Darbietung! Das wäre ein Grund zur Freude.
Würde man im Fall von George Enescu, dem multitalentierten Rumänen, das Motto „idée fixe“ wohl ohne zu zögern akzeptieren, so mag man sich bei Fauré fragen: Ist das nicht dieser Salonmusiker der Belle Époque, der Mann der eleganten Harmonien und der gebrochenen Akkorde? Viel zu kurz gegriffen: Wer Faurés Kammermusik kennt, der weiß, was sich mit diesen eleganten Harmonien und Arpeggien in puncto Ausdruck so alles anfangen lässt. Schließlich ging es Fauré und manchen seiner Zeitgenossen nach 1870/71 um nicht weniger als die Begründung eines eigenen nationalen Musik-Idioms – besonders in Abgrenzung zum deutschen Wagnérisme. Und so vollbrachte Fauré z. B. in seinem ersten Klavierquartett von 1886 das Kunststück, Verträumtheit und Ekstase zu einer explosiven Mischung anzurichten, die immer wieder eruptiv in ein loderndes Flammenmeer aufgeht.
Die besondere Qualität des „Mariani Klavierquartetts“ ist es nun, bei der Umsetzung dieser höllisch schwierigen und überaus kapriziösen Partitur einerseits stets Ruhe zu bewahren – wie angenehm ist der vibratoarme Klang der Streicher, wie faszinierend souverän spannt Gerhard Vielhaber am Klavier mal begleitend, mal aktiv im Oberstimmengeschehen engagiert die weiten Bögen dieser Musik aus! –, andererseits aber in puncto Expressivität niemals und nirgends etwas schuldig zu bleiben.
Differenzierte Gestaltung ohne Hypertrophie, Hingabe an die wundervolle Musik ohne Kontrollverlust – das sind Attribute gemeinsam erarbeiteten Könnens, die dem Mariani Klavierquartett auch bei der Interpretation von Enescus dreisätzigem Quartett von 1909 zugutekommen. Ganz zu Beginn mag der Hörer überrascht sein: Ist der Fauré wirklich schon zu Ende, hat der Enescu bereits begonnen? Bald aber schält sich das eigenständige Idiom des Rumänen heraus – spätestens die aus einem viele Male repetierten Akkord hervorgehenden harmonischen Verschlingungen des zweiten Satzes tragen den Hörer in eine ganz andere Welt … eine faszinierende CD.

Michael Wersin, 07.10.2017



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