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Franz Schubert

Klaviersonaten D 959 & 960

Krystian Zimerman

DG/Universal 479 7588
(82 Min., 1/2016)

Bei den letzten drei Klaviersonaten von Franz Schubert geht es um die nackte Existenz. Vielleicht unbewusst sollte Schubert mit ihnen zugleich seinen Abschied von dieser Welt einläuten. Doch wie radikal muss das nahende Ende ausgestellt, konturiert werden? Viele Pianisten potenzieren das Trostlose und Schockierende dieser Schwanengesänge derart, dass man schon beim Zuhören depressiv wird. Dann aber gibt es Pianisten, die bei aller mitschwingenden Wehmut das Diesseitige betonen. Quasi auch aus Trotz. Denn das Leben hat selbst in der dramatischsten Schicksalsstunde viel Tröstendes zu bieten. Und genau diese Schubert-Perspektive hat nun Krystian Zimerman bei seiner Aufnahme der letzten zwei Klaviersonaten von Schubert eingenommen. Es gibt sie natürlich auch, diese Momente der mitschwingenden Klage, der Verzweiflung, des sich Stemmens gegen das heraufziehende Ende. Doch bei Zimerman hat man immer den Eindruck, dass er mehr das Wärmende selbst der Wintersonne einzufangen versucht als die klirrende Kälte und das beklemmend Düstere. Das so eigentlich dahinwankende „Andantino“ der A-Dur-Sonate D 959 taucht Zimerman in einen idyllischen Ton ein, der das Schöne und nicht das Morbide betont. Und wie taghell es eben in diesem Drama in vier Akten zugeht, macht Zimerman danach mit strammem Zugriff klar – erst im Scherzo und dann in der einzigen Ode an das Hier und Jetzt, im finalen „Allegretto“. Auch in der B-Dur-Sonate D 960 lässt Zimerman nicht etwa gleich das Blut in den Adern gefrieren – von jenem anonymen Wandersmann, der auch hier die Hauptrolle zu spielen scheint und hinter dem so oft Schubert vermutet wird. Statt sich in Regionen aufzuschwingen, die das Metaphysische dieser Musik verklären und feiern, setzt dieser Ausnahmepianist auf seiner ersten Solo-CD nach 25 Jahren auch auf einen Volksliedton als Gegengift gegen allzu intensive Trauerklänge. Denn die kommen bei Zimerman noch früh genug: im leicht sakral anmutenden „Andante sostenuto“. Aber in den beiden letzten Sätzen scheint Zimerman wieder die Fenster weit aufgerissen zu haben – für das Duftende, Liebliche und Glück, das Schubert ja auch in vollen Zügen genossen haben muss.

Guido Fischer, 30.09.2017



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