Responsive image
Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 5

Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Mariss Jansons

BR-Klassik/Naxos 900150
(73 Min., 3/2016)

Jeder will ihn haben, alle möchten die Sternstunden mit ihm festhalten. Sein Repertoire aber ist nicht eben unüberschaubar. Kein Wunder also, dass sich Mariss Jansons auch auf CD schon länger wiederholt. Nachdem er bereits 2008 auf dessen Eigenlabel mit dem Concertgebouw Orchestra Gustav Mahlers 5. Sinfonie festgehalten hat, folgt jetzt – nach der Neunten und Siebten – die im März 2016 mitgeschnittene Zweiteinspielung mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Und auch wenn sich Jansons meisterliche Interpretation des welthaltigen Werkes nicht wirklich gewandelt hat, so ist doch die Münchner Variante der aus Amsterdam vorzuziehen. Nicht nur weil sie klarer und transparenter klingt, Grellheiten dämpft und eine sehr natürliche Instrumentalabmischung bietet. Jansons Sichtweise, die eine auf Struktur bedachte, emotional berührende, aber eben nicht jäh mitreißende ist, wird noch plastischer, sorgfältiger ausgearbeitet und bis in die trotzdem lebensatmenden Details modelliert. Man erlebt eine wirklich wieder goldene Zeit der BR-Symphoniker, ein herrliches Eins von Musikern und Chef, die hier gemeinsam mit Lust an einem Spitzenwerk der Gattung feilen. Das passiert ohne Hysterie und (Welt-)Schmerz, Jansons analysiert vivisektiv den Bauplan und atmet doch mit großer Wärme und Beteiligtsein. Das heikle Adagietto meistert er mit größter Streicherruhe, doch das grimmig-lustige, sich tierhaft aufbäumende Rondo-Finale möchte man gleich noch einmal hören: Kampf und Drama, Lieb und Leid und Welt und Raum, der ganze Mahler (und auch seine nicht unproblematische Rezeptionsgeschichte) sind hier in einem Satz zusammengefasst hinreißend ausgemalt.

Matthias Siehler, 30.09.2017



Diese CD können Sie kaufen bei:



Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Wenn ein zeitgenössischer Komponist kommerziell erfolgreich ist, wird er oft misstrauisch beäugt. Wenn seine Musik auch noch für Laien interpretierbar ist, umso mehr. Eric Whitacre zum Beispiel: 1980 im amerikanische Nevada geboren, charismatisch, Chor-Guru. Er mobilisiert Massen mit seinen selbstkomponierten Liedern und wird in den USA als Komponist und Dirigent begeistert gefeiert, hat die dortigen Klassik-Charts schon früh erobert. Doch seine Chorsätze sind: einfach gut. Und greifen auf […] mehr »


Top