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Another Time – The Hilversum Concert

Bill Evans

Resonance Records/H’Art HCD2031
(48 Min., 6/1968)

Manche Aufnahmen sind zeitlos schön. Der Rundfunkmitschnitt vom Auftritt des Bill Evans Trio im VARA Studio 8 der Netherlands Radio Union vom 22. Juni 1968 zählt dazu, obwohl die rund 50 Jahre alten Analogaufnahmen leichte Rauschfahnen aufweisen. Die Musik macht dies wett. 1968, das war die Zeit, als die Beatles, Rolling Stones und andere Rockbands hoch im Kurs standen und ein Teil der Jazzmusiker erste Schritte in Richtung Jazzrock unternahmen.
Nichts von alledem ist in dem dreiviertelstündigen Mitschnitt zu hören, und trotzdem ist er moderner als vieles, was damals produziert wurde. Die drei Herren, der Pianist Bill Evans, der Kontrabassist Eddie Gomez und der Schlagzeuger Jack DeJohnette verwirklichten perfekt, was in den Jahren zuvor musikphilosophische Forderung geworden war: die Gleichberechtigung ihrer drei Instrumente. In diesem Trio gibt es kein Dienen, keine Hinter- und Vordergrundrollen. Jeder tritt ins Rampenlicht, jeder gibt diese Rolle der höchsten Aufmerksamkeit wieder ab, lässt den anderen Raum, assistiert einen Moment und gerät schon wieder nach vorn. So selbstverständlich verwirklichte damals kein anderes Trio den Gedanken der Hierarchiefreiheit.
Das Konzert krönt die übrigen Veröffentlichungen dieses Trios, das nur ein halbes Jahr lang bestand. Im Vergleich mit dem am 15. Juni beim Jazzfestival in Montreux aufgezeichneten und von Verve zeitnah veröffentlichten Konzert sowie den Studioaufnahmen vom 20. Juni aus dem MPS-Studio in Villingen, die erst 2016 von Resonance als Doppelalbum herausgebracht wurden, wirkt die Musik noch leichter, freier, luftiger und entspannter. Neben Evans´ eigenen Kompositionen „Very Early“, „Turn Out The Stars“ und „Five“ greifen sie auf die Standards „You’re Gonna Hear From Me“, „Who Can I Turn To?“, „Alfie“, „Embraceable You“, „Emily“ und „Nardis“ zurück. Dass die Tontechniker der Rundfunkanstalt die Balance innerhalb des Trios musikalischer als in Montreux und Villingen eingepegelt haben, verstärkt die kommunikative Atmosphäre zusätzlich.

Werner Stiefele, 09.09.2017



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