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Made In Cuba

Havana Maestros

Warner 505419777302
(50 Min.)

Die Digitaltechnik macht’s möglich. Man extrahiere aus großen Hits die Stimmen und spiele sie einem Trupp hoch qualifizierter Studiomusiker zu, damit diese die Songs aus den Genres Soul, Disco, Pop und R&B in eine ganz spezielle Version der Salsa transformieren mögen. So umgeben nun „Good Times“ der Discoband Chic eine gehörige Portion afrokubanischer Percussion und schmetternde Trompeten, und Ben E. King fleht sein „Stand By Me“ in einer dezenten Latin- anstelle einer Soulballade. Missy Elliott rappt „Get Your Freak On“, und Fun freuen sich mit Chorgesang „We Are Young“, beide selbstverständlich auch in Latinrhythmen gebettet. Otis Redding singt sein „Sittin‘ On The Dock Of The Bay“ im weichen Bett einer Latin-Ballade, und für Dionne Warwicks „Say A Little Prayer“ groovt die Band mit heiteren Bläsersätzen. Da die zehn Sänger und Sängerinnen in den ursprünglichen Fassungen zu anderen Grundrhythmen phrasierten, entstehen manchmal reizvolle Spannungsmomente, die sich meist in Instrumentalpassagen auflösen. In „Ritmo Cubano“, „Ven“ und „A Mi Manera“ verzichten die als „Berman Brothers“ bekannt gewordenen Brüder Frank und Christian Beermann auf die großen Stimmen und lassen den kubanischen Musikern freien Lauf. Die von den Plattenfirmen genehmigte „vocal extraction“ erfolgte im Berliner Studio „Science of Sounds“, und die Instrumental-Ergänzungen spielten ab 2014 kubanische Musiker, darunter auch Ex-Mitglieder des Buena Vista Social Clubs, in mehreren Sessions in Havana ein. Die Arbeit begann kurz nachdem die Berman Brothers das 2014 veröffentlichte Album „Studio Rio Presents The Brazil Connection“ abgeschlossen hatten. Auf diesem hatten sie unter anderem die aus dem originalen Kontext isolierten Stimmen von Billie Holiday, Marvin Gaye, Aretha Franklin, Nina Simone und Sly & The Family Stone in Bossa Nova und Samba-Rhythmen gepackt. Noch früher waren sie 2001 mit einem Grammy Award für Produktion und Remix des Titels „Who Let The Dogs Out“ der Gruppe Baha Men ausgezeichnet worden. Keine Frage: Die beiden verstehen sich auf effektvolle Studiotricksereien.

Werner Stiefele, 12.08.2017



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