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New Yorker Philharmoniker

Welcome, New York!

1930 gastierten die New Yorker Philharmoniker erstmals in Europa. Damals unter Leitung von Arturo Toscanini. 2012 kommt man erneut über den großen Teich, diesmal mit Chefdirigent Alan Gilbert. Anlässlich der bevorstehenden Deutschland-Tournee dieses US-Top-5- Orchesters sprach Guido Fischer mit dem scheidenden Executive Director Zarin Mehta.

Den Rang eines traditionsreichen Weltklasseorchesters
lässt sich nicht nur an seinen Chefdirigenten
ablesen, sondern auch an seinen Gastsolisten. Wer
daher im Archiv der New Yorker Philharmoniker
surft, das man 2011 in Ausschnitten ins Internet gestellt
hat, der bekommt ausschließlich ein Who´s
Who von legendären Instrumentalisten serviert.
Wie bei den Stichwörtern »Beethoven« und »Violinkonzert
op. 61«. So spielten allein in den 1940er
Jahren Bronislaw Huberman (1944), Jascha Heifetz
(1945), Isaac Stern (1946) und Zino Francescatti
(1947) diesen Repertoiregipfel.
Über ein halbes Jahrhundert später wird nun in
diese überwältigende, seitdem nahtlos fortgeführte
Ahnengalerie ein gebürtiger Duisburger aufgenommen.
Es ist Frank Peter Zimmermann, der auf der
Europa-Tournee der New Yorker Philharmoniker
das Beethoven-Konzert spielt. »Zimmermann gab
sein Debüt bei den New Yorker Philharmonikern
bereits 1996«, so Zarin Mehta. »Und mit seinem Spiel
begeisterte er stets das Publikum und vor allem die
Orchestermusiker. Als Artist in Residence gastiert
er daher in der laufenden Saison nicht nur als Konzertsolist,
sondern gibt auch mit unseren Musikern
Kammermusikabende.« Bei seinem Einstand spielte
Zimmermann damals noch unter Musikdirektor
Kurt Masur. Jetzt ist er mit Alan Gilbert unterwegs,
der seit 2009 die musikalischen Geschicke der New
Yorker Philharmoniker übernommen hat. An der
für die Fachwelt durchaus überraschenden Inthronisierung
Gilberts war Zarin Mehta einmal mehr
maßgeblich beteiligt. Schließlich ist das Büro des
jüngeren Bruders von Maestro Zubin Mehta die eigentliche
Schaltzentrale bei Amerikas ältestem Top-
Orchester.
Seit 2000 ist Zarin Mehta Executive Director und
zieht in dieser Top-Manager-Funktion sämtliche
Strippen, wenn es um die Gegenwart und Zukunft
der Philharmoniker geht. In Mehtas Amtszeit fiel so 2006 die Berufung von Lorin Maazel auf den Chefdirigentensessel.
Die live ins Radio übertragenen
Konzerte »New York Philharmonic This Week« gehen
genauso auf sein Konto, wie die zahllosen Internet-
Projekte, zu denen neben der Öffnung des Archivs
auch Konzert-Downloads gehören. Für all das
braucht man natürlich auch in den USA Geld – das
ausschließlich von Sponsoren kommt. »In den aktuell
wirtschaftlich schwierigen Zeiten«, so Mehta,
»fördern viele Kunstfreunde momentan eher soziale
Einrichtungen.«
Dank eines weltweit agierenden Hauptsponsors
sind die Philharmoniker weiterhin in der glücklichen
Lage, ihre Klasse selbst auf solchen kostspieligen
Konzerttrips wie jetzt nach Europa und speziell
Deutschland unter Beweis zu stellen. Zarin
Mehta sieht dieser Europa-Tournee zwar schon mit
Spannung entgegen, zumal man neben Frank Peter
Zimmermann auch Lang Lang gewonnen hat, um
bei Tschaikowskys Konzertreißer Nr. 1 für Tastenglamour
zu sorgen. Doch zugleich wird bei Mehta
auch Wehmut aufkommen, denn Ende des Jahres
wird er in den Ruhestand gehen; sein Amt übernimmt
dann der Amerikaner Matthew VanBesien.
Seinen Ehrenplatz in der Geschichte der Philharmoniker
hat Mehta aber schon jetzt sicher.

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 1 / 2012



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