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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Die Sopranistin Mirella Freni (73) ist froh, dass sie kein Koloratursopran geworden ist. Wegen Puccini. »Er liebte die Soprane, ich konnte ihn von früh an singen«, sagte sie dem Schweizer Klassikmagazin »Musik & Theater«. »Mit zehn Jahren gewann ich einen Kinderwettbewerb, und zwar mit der Arie der Butterfly ‚Un bel di vedremo’« – einer Rolle, die sie später lediglich auf Schallplatten, nicht auf der Bühne gesungen hat. Auch Beniamino Gigli habe sie als Kind gehört und ihren Eltern geraten: »Arbeiten Sie am Ausdruck, nicht zu sehr an der Stimme.« Bei keiner ihrer zahlreichen Schallplattenaufnahmen habe sie intensiv Einfluss zu nehmen versucht. »Die Produzenten nehmen am Ende sowieso, was sie wollen. Und mir selbst zuzuhören macht mir kein Vergnügen.« Pessimistisch in Bezug auf die Zukunft des Puccinigesangs sei sie nicht. Um etwas genau dafür zu unternehmen, habe sie ihre Gesangskarriere beendet. »Eines Tages habe ich mich vor den Spiegel gestellt und gesagt: Mirellina, du hast alles gehabt, was man haben kann. Such dir was Neues! Ich habe eine Woche gebraucht, um über diesen Punkt hinauszukommen. Dann habe ich plötzlich gesagt: basta!« Ohne die ständige Bedrohung von Halsentzündungen und Katharren gehe es ihr heute viel besser.
Die Münchnerin Julia Fischer (25) war mit zehn Jahren zuletzt auf dem Oktoberfest. »Ich trink’ kein Bier. In meinem Freundeskreis geht niemand«, sagte sie in ihrer Heimatstadt. Dass sie sich, wie schon bei ihrem vorangegangenen Mozartalbum, zeitgleich mit Anne-Sophie Mutter demselben Komponisten widmet, hält sie für Zufall. Ihr Decca-Debüt gibt Fischer im Januar mit einigen (soeben auch von der berühmteren Konkurrentin eingespielten) Bachkonzerten. »Ich hab’s erst erfahren, als es nicht mehr zu ändern war«, so Fischer. Einen Unterschied zu der gleichfalls in München ansässigen Kollegin (als deren potenzielle Nachfolgerin sie von einigen gehandelt wird) will sie beibehalten: »Ich kann nicht mit offenen Haaren spielen.« Ob sie den dadurch eintretenden Platznachteil musikalisch aufholen kann, muss sich noch zeigen.
Tenor José Carreras (62), der vor genau 20 Jahren von seiner Leukämieerkrankung genesen ist, hat unter der Dusche wieder zu singen begonnen. »Schon als Kind hatte ich immer im Bad gesungen. Dort klingt man einfach am besten«, sagte er in Magdeburg. Jetzt, wo seine Karriere langsam zu Ende gehe, merke er mehr und mehr, dass das Singen lebensentscheidende Bedeutung für ihn gehabt habe. »Ich habe gemerkt, dass ich eigentlich nichts anderes im Leben habe.«
Gambistin Hille Perl, die mit ihrer Familie auf einem Hof bei Harpstedt (im Oldenburger Land) lebt, verbringt ihre freie Zeit mit Hühnern und Salatpflanzen. Sie jammert, dass sie demnächst eines ihrer vier Pferde verkaufen müsse, weil das Finanzamt ihr so viele Steuern abknöpft. Ihr Hund, so Frau Perl, habe sich vor lauter Einsamkeit »vor ein Auto geworfen«, weil sie so oft auf Reisen war. Trotzdem schwört die Kniegeigerin auf die gesundheitsfördernde Wirkung ihres Lebens – einschließlich ihres Instruments. »Die Körperhaltung bei der Gambe ist gesund und gerade. Wir verrenken uns nicht den Hals. Selbst Cellulitis ist bei Gambistinnen überhaupt kein Thema.«

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2008



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