Startseite · Künstler · Gefragt

Yo-Yo Ma & Friends

Hausparty beim Global Player

Mit langjährigen, prominenten Musikerfreunden wie Dave Brubeck, Renée Fleming und Joshua Redman hat Cellist Yo-Yo Ma ein musikalisch Völker verbindendes Festtagsalbum aufgenommen.

Wenn ein klassischer Musiker im Konzert wie jemand wirkt, »der in seinen alten Klamotten beim Bier im Wohnzimmer sitzt«, ist wohl dringend ein Bühnencoach oder ein Imageberater geboten. Doch als der legendäre Geiger Isaac Stern sich einmal so über die etwas andere Bühnenpräsenz seines musikalischen Ziehsohns Yo-Yo Ma äußerte, war das nicht als altväterliche Kritik gemeint. Stern war nur bass erstaunt, mit welch unverkrampft-legerem Charme Yo-Yo Ma mal wieder seine Zuhörer um den Finger gewickelt hatte. Denn wenn für den Starcellisten ein Konzert funktioniert, dann nur über die Kommunikation. »Meine Idealvorstellung von einem Konzertsaal ist, dass es keine Trennung gibt zwischen Bühne und Publikum und dass sich die Menschen in einer Art Hausmusik-Situation befinden.«
Diese Offenheit, diese Lust am Dialog gehört von jeher zur Persönlichkeitsstruktur Yo-Yo Mas. Ob es nun sein »Seidenstraße«-Projekt gewesen ist, sein Eintauchen in die französische Belle Époque oder seine Flirts mit dem Bossa nova – allein war Yo-Yo Ma bei seinen Zeit- und Abenteuerreisen nie unterwegs. Viele seiner alten Weggefährten, wie der chinesische Pipa-Virtuose Wu Man und der amerikanische Allround-Bassist Edgar Meyer, durften daher jetzt auch nicht bei einer ganz besonderen Hausmusikparty fehlen, die Yo-Yo Ma in einem Aufnahmestudio organisiert hatte. »Statt etwas zu essen und zu trinken mitzubringen, sollte jeder ein Lied auswählen, bei dem es um die Freude in der Welt geht«, so Yo-Yo Ma. »Aber Freude kann es in unserer Welt nicht ohne Frieden geben. Besonders in diesen Zeiten.« Und kaum waren die Einladungen verschickt, strömten die FriendsGäste herbei. Mit den passenden Songgaben zu den bevorstehenden Feiertagen wie Weihnachten, Neujahr und Chanukka. Jazzpiano-Grandseigneur Dave Brubeck brachte den Traditional »Joy to the World« mit. Während sich Trompeter Chris Botti für den Jazzstandard »My Favorite Things«, Sopranistin Renée Fleming für die Ballade »Touch the Hand of Love« und der Folksänger James Taylor für den George-Harrison-Hit »Here Comes the Sun« entschieden.
So kosmopolitisch vielsprachig die musikalischen Bekenntnisse sind und bis nach Irland, China und Galicien reichen, so durfte aber auch eine ganz persönliche Weihnachtserinnerung von Yo-Yo Ma nicht fehlen. »Jedes Jahr nahmen meine ganze Familie und ich an den ›Christmas Revels‹ teil, einem Gemeindefest zur Wintersonnenwende. Dabei singen die Zuschauer den dreistimmigen Kanon ›Dona nobis pacem‹ eines unbekannten Komponisten. Im Studio bat ich Edgar, Chris und Paquito D’Rivera über die Melodie dieses Kanons zu improvisieren. Ihre einzigartigen Improvisationen ließen mich begreifen, dass es nicht nur viele verschiedene Arten gibt, Freude auszudrücken, sondern auch ebenso viele Möglichkeiten, Frieden zu schaffen.«

Neu erschienen:

Songs Of Joy & Peace

Yo-Yo Ma, Renee Fleming, John Clayton, Diana Krall, Dave Brubeck, James Taylor, Edgar Meyer u.a.

Sony Classical/Sony BMG

Reinhard Lemelle, RONDO Ausgabe 6 / 2009



Kommentare

Kommentar posten

Für diesen Artikel gibt es noch keine Kommentare.


Das könnte Sie auch interessieren

Gefragt

Avi Avital

Achtsaitige Farbenspiele

Dem Israeli ist das scheinbar Unmögliche gelungen: Bei Avital setzt die Mandoline zu ungeahnten […]
zum Artikel »

Musikstadt

Buenos Aires ist ambivalent, wie so viele Orte in Südamerika

Buenos Aires

Das Paris der Südhalbkugel nannte man einst die Hauptstadt Argentiniens. Und das Teatro Colón war […]
zum Artikel »




Top