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Dennis Chmelensky

Höhenflüge

»Wunderkind« lässt sich der 13-jährige Dennis Chmelensky nicht gerne nennen – lieber testet er bei »Das Supertalent « aus, ob Dieter Bohlen ein Ohr für Engelsstimmen hat. Carsten Niemann sprach mit dem Knabensopran über ein Leben zwischen Stars und Schule, Meerschweinchen und Musik.

Die Augen von Dennis Chmelensky blitzen fröhlich und neugierig, als wollten sie sagen »Jetzt kommt etwas Neues!«. Selbstbewusst führt uns der 13-jährige Knabensopran darauf zum Interviewzimmer. Spätestens seit seinem Auftritt in der Sendung »Deutschland sucht das Supertalent «, wo er es bis ins Halbfinale schaffte, ist der junge Berliner Sänger Medienrummel gewohnt. Und wie man unter professionellen Bedingungen mit Erwachsenen zusammenarbeitet, weiß er schon längst: An der Staatsoper Unter den Linden hat er Dirigenten wie Daniel Barenboim ins Auge geblickt, als Chorsänger und als Solist tritt er außerdem regelmäßig auf bedeutenden Konzertpodien auf. Dass er singen könne, sei schon der Kindergärtnerin aufgefallen, erzählt Dennis Chmelensky. Doch bis zur Einschulung lernte er erst einmal Geige spielen. »Aber da kam dann leider Geldmangel hinzu«, meint er, »denn ich wollte noch ein zweites Instrument lernen. Mein Geigenlehrer hat dann vorgeschlagen: ›Warum schicken Sie den Jungen denn nicht zur Oper? Da kriegt man auch eine kleine Gage‹. Und dann habe ich beim Chor vorgesungen und wurde genommen! « Als er nach einer Weile auch kleine solistische Aufgaben übernehmen durfte, wurde der junge Sänger mit der ungewöhnlich sicheren, hohen und wunderbar tragenden Stimme von Kai-Uwe Jirka entdeckt. Der Professor für Chorleitung und Leiter des Staats- und Domchors habe ihn nicht nur in seinen Chor aufgenommen, sondern gebe ihm regelmäßig Unterricht und begleite ihn sogar auf Wettbewerben. Neben Jirka hat der junge Sänger noch ein zweites großes Vorbild: Sir Simon Rattle, der ihn auch wegen seines Umgangs mit den Musikern fasziniere: »Er weiß, was er sagt, aber er sagt es immer höflich.« Vielleicht wolle er später auch Dirigent werden, meint Dennis, denn wie seine Stimme auf den Stimmbruch reagiere, könne man schließlich nicht wissen. Er sagt das so abgeklärt und reflektiert, dass wir ihn doch gleich fragen müssen, ob er sich denn als Wunderkind fühle? »Ach, ich weiß nicht«, entgegnet er etwas geniert: »Ich gehe wie jeder andere zur Schule, ich verabrede mich auch mit Freunden, spiele Computer oder Basketball und höre auch Hip- Hop. Jeder Mensch hat seine Talente. Ich finde den Begriff komisch.«
Ob es vielleicht noch ein anderes wichtiges Thema gäbe, dass wir noch nicht angeschnitten haben? »Ja«, meint Dennis, »die Meerschweinchen!« In den Pausen zu der CD-Aufnahme habe er immer in seinem »Ratgeber Meerschweinchen« gelesen. »Das haben die Musiker irgendwann gesehen und am letzten Tag, als die Produktion fertig war, kam auf einmal das komplette Orchester herein mit zwei Meerschweinchen – das war wirklich krass, das hätte ich so nie erwartet, das war ein Riesengeschenk!« Sagt Dennis Chmelensky – und freut sich wie ein Kind.

Neu erschienen:

Dennis

Dennis Chmelensky, Dresdner Kapellsolisten, Helmut Branny

Sony Classical

Carsten Niemann, RONDO Ausgabe 2 / 2009



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