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Das Label ALPHA

Das A und O

Sorgfalt ist für den Alpha-Chef Jean-Paul Combet das A und O: Als Alphatier seines Labels setzt er auf ausgezeichnete Musiker, außergewöhnliche Interpretationen und eine extravagante Ausstattung.

Es ist kalt in der Dominikanerkirche von Guebwiller. Die Besucher des Konzerts hüllen sich in ihre Mäntel und die am Eingang bereitgehaltenen Wolldecken. Keine leichte Aufgabe für die Musiker von Café Zimmermann, unter diesen Bedingungen zu spielen. Dass sich die Zimmermänner dennoch in dieses elsässische Städtchen unweit von Mulhouse aufgemacht haben, liegt einerseits an der malerischen Atmosphäre des Gemäuers, vor allem aber an der Akustik, die ideal für diese Musik ist: klar, aber dennoch mit genug Hallraum, um den Instrumenten Fülle und Glanz zu verleihen.
Vier Tage sind sie hier, am Morgen nach dem Konzert sollen die Aufnahmesitzungen beginnen – unüblich viel Zeit für solch ein Programm. Doch die Sorgfalt, die hier auf jedes Detail verwandt wird, ist gerade das Erfolgsgeheimnis von Alpha: Schließlich hatte der Labelgründer Jean-Paul Combet vor zehn Jahren seinen Managerjob nicht aufgegeben, um mit einem neuen Klassiklabel noch mehr Geld zu verdienen, sondern um seine Idee von einer CD als Gesamtkunstwerk zu verwirklichen. Dass Combet auf Anhieb Erfolg hatte, lag jedoch nicht nur an seinem anspruchsvollen Konzept, sondern auch daran, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Gerade vor etwa zehn Jahren begann Paris langsam, Amsterdam und London als Hotspot der internationalen Alte-Musik-Szene den Rang abzulaufen. Hier stand ein Pool exzellenter junger Barockmusiker zur Verfügung, aus dem sich die verschiedensten Ensembles formierten. Auch Vincent Dumestre und sein Le Poème Harmonique, die die ersten drei Alpha-CDs einspielten, gehörten zu dieser Generation – bis heute sind sie dem Label treu geblieben und haben gerade erst mit den ersten beiden Alpha- DVDs, Molières »Le bourgeois gentilhomme« und Lullys »Cadmus et Hermione« ein neues Kapitel in der Geschichte des Labels aufgeschlagen.
Es lag insofern nahe, dass im Zentrum des schnell wachsenden Alpha-Katalogs zunächst die Barockmusik mit ihren immer noch unerschöpflich scheinenden Entdeckungsmöglichkeiten stand. Das hat sich inzwischen etwas geändert, doch auch beim bekannteren klassisch-romantischen Repertoire achtet Combet darauf, dass seine CDs ein künstlerisches Alleinstellungsmerkmal besitzen: sei es durch eine ungewöhnliche Programmzusammenstellung wie beim Schumannzyklus des Pianisten Eric Le Sage oder durch die Instrumente wie zuletzt bei der ersten Einspielung von Janácˇeks zweitem Streichquartett durch das Quatuor Diotima mit der ursprünglich vorgesehenen Viola d’amore. Aus Basel stieß Café Zimmermann hinzu, die mit ihren springlebendigen Bachaufnahmen dem neuen Label auch in Deutschland zum Durchbruch verhalfen. Aus Amsterdam kam Gustav Leonhardt für eine wunderbare späte Serie von Orgel- und Cembaloaufnahmen. Und für die Provokation der notorisch konservativen französischen Kritikerszene sorgt regelmäßig der niederländische Hammerklavierspezialist Arthur Schoonderwoerd mit seinen radikal reduzierten Beethoveneinspielungen.

Jörg Königsdorf, RONDO Ausgabe 2 / 2009



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