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Doktor Stradivari

Folge 8: Das Olmützer Alibi

Ich kann meine Frau nicht ermordet haben“, sagte Bernhard Sichelschneider und blickte Kommissar Reuter verächtlich an. „Ich war an dem Abend gar nicht in Deutschland. Ich befand mich mit meiner Freundin auf einer Reise. Ja, ich gebe zu, dass ich mich von meiner Frau getrennt habe. Aber getötet habe ich sie nicht. Hier sind die Beweise.“ Er holte ein paar Fotos hervor. Sie zeigten den Verdächtigen, wie er lächelnd vor einem historischen Gebäude stand. „Wo ist das?“, fragte der Kommissar.
„Davon verstehen Sie als kleiner Beamter natürlich nichts. Das ist das Mährische Theater in Olmütz. Jeder gebildete Mensch erkennt es sofort. Es ist ein musikhistorisch bedeutendes Haus. Sie wissen natürlich auch nicht, wer hier einst als Kapellmeister tätig war?“
Reuter wurde diese Angeberei zu viel. Er ließ Sichelschneider wegbringen und rief Doktor Stradivari an – seinen Berater, den er immer konsultierte, wenn es in seinen Fällen um Musik ging.
„Es war Gustav Mahler“, sagte Doktor Stradivari, als er in Reuters Büro eintraf. „Das Theater ist tatsächlich bekannt. Es befindet sich mitten in der Olmützer Innenstadt am Oberring, tschechisch ‚Horní náměstí‘. Zu Mahlers Zeiten gehörte die Stadt zum Habsburgischen Reich, heute zu Tschechien. Mahler dirigierte hier drei Monate im Jahre 1883. Er soll kreuzunglücklich gewesen sein und fand bald eine neue Stellung in Kassel. Natürlich kannte ihn damals noch niemand. Ganz in der Nähe steht übrigens ein Haus, in dem der junge Mozart im Jahre 1767 …“
„Ihre Kenntnisse in allen Ehren“, unterbrach der Kommissar, „aber was hilft uns das?“ Doktor Stradivari bat Reuter lächelnd um die Fotos. Sie zeigten alle Sichelschneider vor der Fassade. „Es ist das Theater“, sagte der Doktor. „Ich bin dort oft gewesen.“ Sichelschneiders Schatten fiel schnurgerade auf einen Schaukasten. Das Plakat, das teilweise zu sehen war, bewarb die Aufführung eines Balletts von Tschaikowski. „Die Bilder sind datiert“, erklärte Reuter. „Die Digitalkamera hat Datum und Uhrzeit in der unteren Hälfte eingeblendet. Demnach wurden sie am 29. April um 17 Uhr 54 aufgenommen. Gegen 18 Uhr wurde an diesem Tag in Köln Sichelschneiders Frau ermordet.“
„Was für ein Zufall.“ Doktor Stradivari hob eine Augenbraue. „Wie auch immer … Sie können getrost davon ausgehen, dass die Fotos gefälscht sind. Ich halte sie für eine Fotomontage.“ Wie kommt Doktor Stradivari darauf? www.oliverbuslau.de

Auflösung aus Magazin 1/2014:

In den drei aufgefundenen Filmen spielt Klassik in der Filmmusik eine gewichtige Rolle, aber allein „The King’s Speech“ in seiner packenden Schlussrede auf Beethoven (Sinfonie Nr. 7, 2. Satz) – genau wie die fünf DVDs in Vorceks Werkstatt. In dieser DVD muss sich also das Geheimrezept des Violinlacks befunden haben.


Doktor Stradivari ermittelt – und Sie können gewinnen!

Wenn Sie die Lösung wissen, schreiben Sie sie an stradivari@rondomagazin.de oder postalisch an RONDO, Johannisplatz 3a, 81667 München – Ihre Kontaktdaten nicht vergessen! Unter allen Zuschriften verlost RONDO in Kooperation mit dem Label ACT fünf Exemplare der neuen CD von Ausnahme-Jazzpianist Michael Wollny und seines Trios – „Weltentraum“. Einsendeschluss ist der 20. April.


Oliver Buslau, RONDO Ausgabe 2 / 2014



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