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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Der Dirigent und Pianist Christoph Eschenbach hat mithilfe des Klaviers wieder sprechen gelernt, nachdem er als Kind eine Sprachblockade überwinden musste. 1946 war er als einziger Überlebender eines Flüchtlingslagers aufgefunden worden. »In dem Flüchtlingslager brach Typhus aus, woran alle Insassen starben. Meine Großmutter hatte noch kurz vor ihrem Tod eine Postkarte an eine Cousine meiner Mutter geschrieben. Sie kam aber erst nach sechs Wochen an, während einer nach dem anderen starb«, erzählte Eschenbach in einem Interview anlässlich seines 70. Geburtstags. Von der Cousine, die Klavierlehrerin war, übernahm Eschenbach auch den Namen. Seine Mutter war bei seiner Geburt gestorben, der Vater fiel im Krieg.
Sein Schüler Lang Lang, der Pianist mit den schönsten Händen und dem dicksten Portemonnaie, muss nach seinem Wechsel von der Deutschen Grammophon zu Sony mehrere Konzerte absagen. Die Anwerbung des Stars hatte sich die Sony angeblich drei Millionen Dollar kosten lassen. Als Grund für Lang Langs Pause wird ein entzündeter Zeigefinger angegeben.
Schlechte Vorzeichen für Andreas Homoki in Zürich. Die örtliche Presse fiel über den designierten Intendanten bereits vorab her und charakterisierte ihn als mittelmäßig. Nachdem Homoki schon auf die Provision bei der Einwerbung von Sponsorengeldern verzichten musste (sein Vorgänger Alexander Pereira war durch sie reich geworden), hat das Zürcher Kantonsparlament dem Opernhaus nun auch mehrjährige Rahmenkredite gestrichen. Stattdessen wird über die knappen Staatsgelder jetzt jährlich neu entschieden. Auch die Presse für Fabio Luisi, den von Homoki berufenen neuen GMD, ist nach dessen eingeschnapptem Abgang in Dresden nicht allzu gut. Und das alles, noch bevor Homoki ab 2012 startet.
Charles Dutoit hat (in vierter Ehe) die Ex-Konzertmeisterin des Orchestre symphonique de Montréal, Chantal Juillet, geheiratet. Auch die Geigerin Janine Jansen und der Dirigent Paavo Järvi sind, so hört man, neuerdings ein Paar. Zumindest häufiger zusammen gesehen wurden Elı-na Garancˇa und Roberto Alagna.
Der südkoreanische Dirigent Myung-whun Chung (57) hat der Mailänder Scala die künftige Zusammenarbeit aufgekündigt. In einem Brief an das Orchester macht er den »Grad von Beleidigung, Arroganz und völlig inakzeptablem Verhalten« seitens der Stiftungsleitung verantwortlich. Chung gehörte (ähnlich wie Daniel Barenboim und Daniele Gatti) zur Wunsch- Crew des Intendanten Stéphane Lissner, dem ein eigentlicher Chefdirigent fehlt.
Die bulgarische Sopranistin Raina Kabaivanska plant ihr Bühnen-Comeback. Die 75-Jährige hat, nachdem sie vor zwei Jahren in »Pique Dame« ihren Bühnenabschied in Toulouse nahm, die Hauptrolle für Aufführungen von Nino Rotas komischer Oper »La scuola di guida« (»Die Fahrschule«) in Siena akzeptiert.
Der kanadische Heldentenor Ben Heppner betrachtet sich selbst als lyrischen Tenor. »Ich glaube, dass es klüger ist, es so zu sehen«, sagte er in Berlin. Hinter seiner robusten Erscheinung verberge er ein empfindliches Innenleben. Seine Karriere sei nur sehr schleppend in Gang gekommen. »Ich war Hausmann, und meine Frau hat mich und unsere Familie ernährt, bis ich plötzlich einen Gesangspreis an der Metropolitan Opera gewann. Meine Anfänge waren erfolglos.«
Dietmar Schwarz, neuer Intendant der Deutschen Oper Berlin ab 2012, hält nichts von Ausgrabungen und Alibi-Uraufführungen, die anschließend wieder in der Versenkung verschwinden. Auch mit jungen Regisseuren will er an seinem neuen Haus vorsichtig sein, wie er im Interview mit dem Berliner »Kulturradio« sagte. Damit dürfte Schwarz in vielerlei Hinsicht von seiner Vorgängerin Kirsten Harms abweichen. Als entscheidenden Grund, nach Berlin zu gehen, bezeichnete er den neuen Generalmusikdirektor, Donald Runnicles. Zugeraten, den Job anzunehmen, habe ihm auch der Regisseur Hans Neuenfels.
Sena Jurinac (88) fährt noch Auto, heizt das Haus am liebsten mit Holz und ist dem Rauchen ebenso wie dem Alkohol nicht abgeneigt. Die Sopranistin und Mezzosopranistin, die in der Nähe von Augsburg lebt, habe das Rauchen auf Anraten von Erich Kunz einmal aufgegeben, später aber nach dem Vorbild von Julius Patzak wieder damit angefangen. Gemeinsam mit Lisa della Casa (91), Hilde Zadek (92), Lisa Otto (90) und Wilma Lipp (85) gehört sie zu den letzten Überlebenden der legendären Mozart- Ensembles der Nachkriegszeit.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 2 / 2010



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