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(c) Heidelberger Frühling

Heidelberger Frühling

Klingender Campus

Zum zweiten Mal leitet Star-Pianist Igor Levit die 2013 mit großem Erfolg ins Leben gerufene „Kammermusik Akademie“. Die Ergebnisse können sich hören lassen – und zwar vom Festspielpublikum.

Kaum war der „Heidelberger Frühling“ 1997 an den Start gegangen, war man innerhalb kürzester Zeit in aller Munde. Natürlich konnte man von Beginn an in der Studentenstadt auch jene Klassikstars hören, für die man ansonsten in die gängigen Musikmetropolen reisen musste. Der eigentliche Schlüssel des Erfolgs lag aber vielleicht an dem reichen Angebot abseits der Abendkonzerte. So wurde in Künstlergesprächen, Workshops und in Vorträgen derart anregend über die Inhalte und die Kraft von Musik reflektiert, dass diese Veranstaltungen bald genauso schnell ausverkauft waren wie die Auftritte der Anne- Sophie Mutters & Co.. Die flanLekierenden Projekte sind seitdem ständig angewachsen. Und mit der „Festival Akademie“ hat Intendant Thorsten Schmidt vor drei Jahren eine weitere Plattform ins Leben gerufen, um junge und arrivierte Musiker auch in unmittelbaren Kontakt mit dem Publikum treten zu lassen. So gibt es seit 2011 die von Bariton Thomas Hampson geleitete „Lied Akademie“. Als künstlerischer Leiter für die „Akademie junger Komponisten“ konnte Matthias Pintscher gewonnen werden. Und als Thorsten Schmidt 2012 Igor Levit fragte, ob er die „Kammermusik Akademie“ übernehmen wolle, war der aktuelle Shooting-Star unter den jungen Pianisten sofort Feuer und Flamme. Zumal er sich keinem anderen Festival so stark verbunden fühlt und es sogar als seine „Homebase“ bezeichnet.
Schon bei der ersten Planung der „Kammermusik Akademie“ stand für ihn fest, dass dabei keinesfalls eine Art „Kammermusik- Freizeit“ herauskommen sollte, bei der man sich aus purem Spaß am Musizieren zusammentut. Vielmehr schwebte Levit ein auch zeitintensiver Arbeitsprozess mit jungen Musikerkollegen vor, dessen Ergebnisse bei den Konzerten vorgestellt werden. Außerdem reizte ihn bei dieser Campus-Idee, dass dabei möglicherweise musikalische Freundschaften für die Zukunft entstehen können.
Für den zweiten von ihm verantworteten Jahrgang 2014 hat Levit nun befreundete Musiker wie die Geiger Veronika Eberle und Oliver Wille sowie Kollegen vom Pariser Ensemble intercontemporain eingeladen, um sich mit insgesamt 13 Festival-Stipendiaten dem Schaffen Beethovens zu widmen. Die erste Arbeitsphase findet hinter verschlossenen Türen statt. Vom 31. März bis 5. April öffnet man sich dann ganztätig dem Publikum. Vormittags werden Aspekte der Interpretation der einstudierten Werke erläutert und mit dem Publikum diskutiert. Danach kann man öffentlichen Proben beiwohnen. Und bei den Abendkonzerten werden erstmals auch Uraufführungen der Kompositionsstipendiaten präsentiert.
Dass Igor Levit den Schwerpunkt auf Beethoven gelegt hat, sieht er aber nicht einfach als logische Fortsetzung seiner Debüt- CD mit den fünf letzten Sonaten. Für ihn ist Beethoven einfach ein Grundsatzkomponist: „Für mich ist seine Musik – das ist auch die Grundidee der kommenden Akademie – totale Existenzmusik. Diese Idee der Existenzmusik, die Idee der totalen inneren Freiheit, der Kompromisslosigkeit und vor allem die Frage, was das für mich als Interpret bedeutet, was überhaupt Interpretation in diesem Sinne bedeutet, das sind die Fragen, mit denen wir an das Thema herangegangen sind.“


Informationen zur Festival Akademie: www.heidelberger–fruehling.de


Reinhard Lemelle, RONDO Ausgabe 1 / 2014



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