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Pedro Halffter

Hochkultur am Touri-Strand

Für seine Verdienste um die Verbreitung deutscher Opern hätte Pedro Halffter eigentlich längst das Bundesverdienstkreuz bekommen müssen. Als Chef der Oper von Sevilla und des Orchesters von Gran Canaria begeistert der Sohn des Komponisten Cristobal Halffter die Spanier für Wagner und Strauss, Schreker und Zemlinski. Und jetzt will er die Klassik sogar bis nach Playa del Inglés bringen.

RONDO: Herr Halftter, an der Berliner Staatsoper haben Sie gerade »Salome« und Schrekers »Der ferne Klang« dirigiert, in Spanien haben Sie für die Erstaufführung von Stücken wie Zemlinskis »Zwerg« und Busonis »Doktor Faustus« gesorgt. Woher kommt diese Leidenschaft für deutsche Musik?

Pedro Halffter: Ein Grund dafür ist sicher, dass ich mit deutscher Kultur groß geworden bin. In Madrid bin ich auf die deutsche Schule gegangen und später nach Salem ins Internat. Außerdem hat mein Vater mich oft mitgenommen, wenn er in Deutschland dirigiert hat – ich weiß noch, wie ich als Elfjähriger zum ersten Mal die Mauer gesehen habe. Aber viel wichtiger ist, dass es in Spanien in diesem Bereich des Repertoires immer noch ein Defizit gibt.

RONDO: Wie reagiert Ihr Publikum in Sevilla denn auf solche Stücke? Deutsche Musik gilt ja eher als schwere Kost …

Halffter: Natürlich haben die Spanier einen viel direkteren Zugang zur italienischen Oper. Als ich nach Sevilla kam, konnte dort von einem richtigen Opernbetrieb ohnehin kaum die Rede sein. Es gab drei Stücke pro Jahr, die jeweils drei Mal gezeigt wurden – mehr nicht. Heute zeigen wir zwölf Werke im Teatro de la Maestranza pro Jahr in jeweils etwa acht Aufführungen und Stücke wie »Lulu« und »Tristan« haben beim Publikum einen Riesenerfolg. Als wir letztes Jahr zum ersten Mal »Tristan« gemacht haben, waren die Karten für alle Vorstellungen nach drei Tagen vergriffen und von den Aufführungen sprechen die Leute immer noch. Wir haben aktuell eine Auslastung von 92 Prozent – in einem Haus mit immerhin 1.800 Plätzen.

RONDO: Neben dem Opernhaus von Sevilla leiten Sie auch noch das Sinfonieorchester von Gran Canaria. Aus deutscher Sicht ist die Insel nicht unbedingt für ihr Kulturleben bekannt.

Halffter: Irrtum! Gran Canaria hat das älteste Orchester Spaniens und eine Konzerttradition, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Das lag wohl daran, dass die Europäer, die nach Amerika wollten, hier oft wochenlang Station machen mussten und sich mit Oper und Konzert unterhalten haben. Und dann gibt es das Festival, bei dem außer der Callas so gut wie alle großen Sänger gesungen haben.

RONDO: Nur ist das in Playa del Inglés bisher offenbar noch nicht angekommen.

Halffter: Die Insel ist bisher quasi zweigeteilt, was klassische Musik angeht. Aber wir sind gerade dabei, das zu ändern und auch die Touristen stärker mit einzubeziehen. Wir werden zukünftig auch Konzerte im Süden der Insel geben und arbeiten schon mit einigen Reiseveranstaltern zusammen, die Konzertkarten im Urlaubspaket anbieten.

RONDO: Gibt es eigentlich eine Konkurrenz zur Nachbarinsel? Teneriffa hat ja gerade auch mit seinem neuen Calatrava-Konzertsaal in Sachen Klassik mächtig aufgetrumpft.

Halffter: Klar gibt es diese Konkurrenz: Wer hat das größte Orchester und den schönsten Saal? Aber das ist für uns doch eine ganz wunderbare Situation, wenn die Politik so einen Ehrgeiz entwickelt.

RONDO: Fällt das Proben nicht manchmal etwas schwer, wenn Strand und Sonne locken?

Halffter: Ja, zumal man von unserem Auditorium aus eine großartige Sicht auf den Strand hat. Da ist es schon hart, mitten im Juni Mahlers Sechste zu proben. Aber wenigstens führt vom Konzertsaal aus eine Esplanade direkt zum Meer.

Jörg Königsdorf, RONDO Ausgabe 3 / 2010



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