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Neue Gesichter

vorgestellt von Michael Blümke

Zweckentfremdeter Urlaub

Die meisten Menschen fahren nach Italien, um Land(schaft), Kunst und Küche zu genießen. Als Sophie Pacini 2010 mit ihren Eltern den Sommerurlaub dort verbrachte, beschloss sie allerdings kurzerhand, ihre Ferien anderweitig zu nutzen. Sie hatte erfahren, dass Martha Argerich im selben Hotel abgestiegen war und wollte unbedingt die Gelegenheit nutzen, ihrem Idol vorzuspielen. Mit der Un- erschrockenheit der Jugend (sie war damals gerade einmal 19) stellte sie sich einfach vor und bekam ihren Wunsch erfüllt. Argerich war trotz des nicht gerade betörend klingenden Instrumentes im Hotel von Sophies Spiel so angetan, dass sie sich die komplette h-Moll- Sonate anhörte und die junge Kollegin anschließend für einen Soloauftritt zum „Progetto Martha Argerich“ nach Lugano einlud. Liszts für sie so schicksalhaftes Werk findet sich folgerichtig auch auf der Debüt-CD der Deutsch-Italienerin beim Label Avi. Und weil sie, wie ihre Mentorin, auch Schumann hinreißend spielt, gibt es außerdem den „Carnaval“ und die „Intermezzi“ zu hören.

Sophie Pacini

Der Nachbar ist schuld

Noch nicht einmal in den französischen Alpen ist man vor klassischer Musik sicher. Man sollte doch meinen, jemand, der dort aufwächst, ergreift einen vernünftigen Beruf – und wird nicht vom Nachbarn auf den künstlerischen Pfad geschubst. Als Freund der Familie kannte der französische Pianist François-René Duchâble den kleinen Guillaume Vincent von dessen Geburt an. Mit den üblichen Kinderspielen fing es an, dann aber zeigte der berühmte Nachbar dem Jungen, was man mit einem Klavier so alles anstellen kann. Und der hatte damit ein neues Lieblingsspielzeug. Als er ungefähr zehn Jahre alt war, bekam Guillaume Vincent dann von „Onkel François“ die ersten richtigen Klavierstunden. Mittlerweile ist er 21 und lebt in Paris, doch sein großes Vorbild Duchâble besucht er nach wie vor regelmäßig, um sich Rat und Unterweisung zu holen. Mit den kompletten Rachmaninoff-Préludes hat er sich für seine erste Solo-Einspielung (naïve) nicht für Werke entschieden, mit denen man in erster Linie manuell beeindruckt, sondern bei denen man auch interpretatorisch die Karten auf den Tisch legen muss.

Guillaume Vincent

Michael Blümke, RONDO Ausgabe 1 / 2013



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