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(c) René Kollo

Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Der Vater von David Garrett, Georg Paul Bongartz, geht gerichtlich gegen eine Biografie seines Sohnes vor. Es geht um die Frage, in welchem Umfang Garrett als Kind zum Geigenüben gezwungen worden ist. Garrett hatte nach Anfängen einer Wunderkind- Karriere Deutschland verlassen, um sich dem Einflussbereich seiner Eltern zu entziehen. Inzwischen werden private Themen bei Interviews mit dem Geiger kategorisch ausgespart.
René Kollo (75), einer der bedeutendsten Helden-Tenöre der Nachkriegszeit, beendet seine Bühnenkarriere. Er habe „keine Lust mehr“, so wird er in Medienberichten zitiert. Kollo hatte schon vor Jahren bekannt, seine Karriere sei durch falsche Gerüchte verkürzt worden, wonach er Rollen wie Tristan, Siegfried und Tannhäuser abgeben wollte. Diese Fama habe sich so rasch verselbständigt, dass er keine entsprechenden Angebote mehr erhalten habe. Kollo will sich, wie er auf Nachfrage bestätigte, nun dem Schreiben von Büchern widmen.
Was Online-Umfragen wert sind, zeigt die Webseite „Bachtrack.com“. Bei einer Abstimmung in angeblich 97 Ländern, welches das beste Orchester der Welt sei, ergab sich das Cleveland Orchestra als unangefochtener Sieger. Auf dem zweiten Platz landete das RTÉ Concert Orchestra in Dublin unter seinem Chefdirigenten David Brophy.
Ob Riccardo Chailly tatsächlich Nachfolger von Daniel Barenboim als musikalischer Leiter der Mailänder Scala wird, ist – entgegen Zeitungsberichten – noch nicht so sicher. Es handelt sich vielmehr um eine Spekulation des „Corriere della Sera“. Dagegen wird von der italienischen Zeitung „La Repubblica“ Fabio Luisi als Nachfolger genannt. Er soll angeblich Wunsch-Kandidat des Orchesters sein.
Die Schweizer Villa des Komponisten Sergei Rachmaninow steht zum Verkauf. Das Anwesen in Hertenstein am Vierwaldstädter See (vis-à-vis von Wagners Tribschen, bei Luzern) ist mit 18 Millionen Franken angesetzt. Einziger Haken: Angeblich soll der Betrag bereits von einem Käufer per Scheck bezahlt worden sein, der durch den Pianisten Denis Matsuev auf das Objekt aufmerksam gemacht wurde. Bei dem Käufer handelt es sich – um den russischen Präsidenten Vladimir Putin.
Maxim Vengerov hat seine Karriere als Geiger wiederaufgenommen, nachdem er 2007 gesundheitsbedingt alle weiteren Auftritte abgesagt hatte. Nach regelmäßigem Gewichtheben im Fitness-Studio hatte sich ein Zittern im rechten Arm eingestellt. Nachdem er die russische Geigen-Schule noch einmal neu studiert habe (besonders Mischa Elman), glaube er nunmehr, dass er die meisten Werke, die er auf Schallplatte eingespielt habe, noch einmal aufnehmen müsse, so Vengerov in Berlin.
Ausgerechnet an der Komischen Oper Berlin, die sich unter Intendant Barrie Kosky mit der Wiederentdeckung jüdischer Komponisten profiliert, ist für die Neuinszenierung von „Così fan tutte“ die „NaziÜbersetzung“ von Georg Schünemann verwendet worden. Wie Chef-Dramaturg Ulrich Lenz bestätigte, sei die Entscheidung „aus künstlerischen Gründen“ erfolgt. Man habe den Intendanten indes über die historischen Hintergründe nicht informiert. Schünemann arbeitete für das Propaganda-Ministerium von Joseph Goebbels und hatte sich seit 1938 durch die ‚Arisierung’ von Mozart-Übersetzungen profiliert, die bis dahin von dem jüdischen Dirigenten Hermann Levi stammten. Es gebe „unzählige Übersetzungen“ der „Così“, räumte Lenz ein. Der Intendant war trotz beharrlicher Nachfragen für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Peinlich, peinlich.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 6 / 2013



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