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Schätze für den Plattenschrank

Great Britten!

Obwohl Benjamin Britten ein Mann des 20. Jahrhunderts gewesen ist, verkörperte er doch den musikalischen Allrounder, wie er für das 19. Jahrhundert typisch gewesen ist. Denn neben seiner ersten Passion, dem Komponieren, beschäftigte er sich als glänzender Dirigent und Pianist immer wieder mit dem klassischen Werkkanon. Angefangen von Bachs „Johannes-Passion“ über Mozart-Sinfonien bis hin zu Schubert-Liedern und der Kammermusik etwa eines Claude Debussy. Und der vor hundert Jahren, am 22. November 1913 im Südosten Englands geborene Britten besaß als Interpret ein derart untrügliches Gespür für die Tiefe und den Gehalt der Noten, dass fast immer Sternstunden herauskamen. Heute zählen seine Schubert-Aufnahmen als Liedbegleiter von Altistin Kathleen Ferrier bzw. Tenor Peter Pears zu den wegweisenden Einspielungen. Und auch die Gesamtaufnahme von Henry Purcells „The Fairy Queen“ aus dem Jahr 1970 hat nichts von ihrem Esprit eingebüßt – auch wenn Britten sich hier wie überhaupt im Barockfach wenig um die historische Aufführungspraxis kümmerte, die da schon in vollem Gange war. Dementsprechend muss man sich erst einmal wieder hineinhören in diese leicht romantischen Klangwelten. Aber was Britten da mit der großen alten Sängergarde, mit Heather Harper, Helen Watts und John Shirley-Quirk allein in zwei Bach-Kantaten an geradezu überirdisch schönen Momenten bietet, lohnt bereits die Investition in diese 27 CD-Box mit sämtliche Aufnahmen des Dirigenten und Pianisten Britten. Hinzu kommen aber nicht nur seine unvergleichlichen Partnerschaften mit Svjatoslav Richter, Mstislaw Rostropowitsch und immer und immer wieder Peter Pears. Bei den auch zahlreichen, erstmals auf CD veröffentlichten Einspielungen kann man so manche Entdeckungen aus der English Connection machen. Da gibt es ein u.a. von Britten, Michael Tippett und William Walton geschriebenes Gemeinschaftswerk oder das Oratorium „The Dream of Gerontius“ von Edward Elgar.

Benjamin Britten: The Performer

Decca/Universal

Guido Fischer, RONDO Ausgabe 6 / 2013



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