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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Alisa Weilerstein (30), Cello-Entdeckung von Daniel Barenboim und Solistin des Elgar-Cellokonzertes auf der neuesten CD Barenboims, hat in einem Interview eingeräumt: „Das Elgar-Konzert war das eine Stück, das ich nicht mit Barenboim aufnehmen wollte.“ Warum? Die klassische Aufnahme des Werkes stammt von Barenboims Ex-Ehefrau, der 1987 verstorbenen Jacqueline du Pré. Genützt hat es nichts. Gemeinsam mit Barenboim wählt Weilerstein zwar einen hörbar anderen Weg durch das Werk. Mithalten kann sie aber doch nicht. Komponist Steve Reich (76) hat zwar mehrere Werke fürs Musiktheater geschrieben. Gibt aber trotzdem zu: „Ich mag keine Opern!“ Das sagte er in seiner Wohnung in New York. Belcanto-Gesang klinge für ihn so, wie wenn jemand mit Kreide auf einer Tafel quietscht. Die einzigen Opern, die er ertragen könne, seien Strawinskis „Rake’s Progress“ und Weills „Dreigroschenoper“.
Die Mailänder Scala gilt nicht nur für Sänger und Dirigenten als eines der riskantesten Häuser der Welt – wegen notorischer Buh-Orkane seitens des Publikums. Jetzt richtet sich erstmals der Hass des Hauses gegen den Kritiker einer prominenten Zeitung. Paolo Isotta, der Rezensent des „Corriere della sera“, wurde vom Intendanten der Scala, Stéphane Lissner, von der „Zugangsliste des Hauses“ gestrichen. Ein durchaus unerhörter Vorgang. Isotta hatte Daniel Harding in einer Kritik vorgehalten, dessen Dirigat von Verdis „Falstaff“ sei allzu „schwerfällig und pedantisch“ ausgefallen. Hardings Leitung von „Tristan und Isolde“ dagegen sei so sanft gewesen, als wolle er die Theorie stützen, Wagner sei homosexuell gewesen. Aufgrund der letzteren Feststellung könnte man fast dem Urteil zuneigen, das Hausverbot sei zu Recht ausgesprochen worden. Wer behauptet, dass Homosexuelle „sanft“ seien, hat gewiss den Zug verpasst! – Allerdings sind auch zur Bestrafung von Fehlurteilen der Kritiker immer noch nicht die Theater zuständig. Sondern höchstens das Publikum.
Infolge eines länger andauernden Krankenhausaufenthaltes hat Colin Davis (85) sämtliche Konzertauftritte bis Ende der Saison abgesagt (darunter auch ein Sinfoniekonzert der Staatskapelle Dresden, deren Ehrendirigent er ist). Auch Pierre Boulez (87) muss im Anschluss an seine Glaukom-Operation (sog. „Grüner Star“) weitere Konzertverpflichtungen annullieren. Dagegen will der 77-jährige Seiji Ozawa nach erfolgreicher Behandlung seiner Krebs-Erkrankung spätestens im August wieder aufs Podium zurückkehren – bei seinem Festival im japanischen Matsumoto.
Auf die Frage, warum es derzeit einen weltweiten Aufschwung des Chor-Gesangs auch im Laien-Bereich gibt, sagte Simon Halsey (55), Chef des Berliner Rundfunkchors, dem Berliner Stadt-Magazin „Tip“: „Wir alle suchen Kontakt, und dafür sind Sport und Musik besonders geeignet.“ Im Chor könne man singen, ohne vorher viel Unterricht nehmen zu müssen. Er selber werde inzwischen überall auf der Welt zur Leitung von Mitsing-Konzerten mit oft Tausenden Mitwirkenden eingeladen. Das sei keineswegs wider die Musik. Schließlich habe schon Händel in England Groß-Chöre mit an die 1000 Sängern dirigiert. „Auch Haydn hat Aufführungen mit 900 Chor-Sängern erlebt und daraufhin seine ‚Schöpfung‘ und ‚Die Jahreszeiten‘ komponiert.“ Es gebe auch einen physiologischen Grund für die Beliebtheit des Chor-Singens: „Wer gut singt, atmet gut.“
Konfiszierte Instrumente, Einreise-Schikanen (so wie kürzlich bei Gustavo Dudamel in Tel Aviv) und rüder Umgang mit Instrumenten: Raue Sitten an internationalen Flughäfen führen immer häufiger zu symptomatischem Musiker-Ärger. Jetzt wurde dem Cellisten Alban Gerhardt in den USA ein wertvoller und seltener Cello- Bogen des berühmten Bogenmachers Heinrich Knopf (1839-1875) zerstört. Gerhardt wirft dem Flughafenpersonal einen „Akt der Brutalität und des sorglosen Umgangs“ mit seinem Eigentum vor. Ein Mitarbeiter der Transportation Security Administration hatte Gerhardts Cello-Kasten im Anschluss an eine Untersuchung gewaltsam schließen wollen und den Bogen dabei an der Cello-Brücke entzwei gebrochen.

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 2 / 2013



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