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Dusko Goykovich

Mit Herz und Seele

Mit seiner neuen CD erfüllt sich für den Spitzentrompeter und -flügelhornisten zum 82. Geburtstag ein Lebenstraum.

Fast jede Art von Projekt hatte er schon in seiner beispiellosen Karriere verwirklicht, war gefeierter Big Band Trompeter auf beiden Seiten des Atlantiks. Sein International Sextet mit Kenny Clarke und Francy Boland war Keimzelle der legendären Clark-Boland Big Band. Mit Swinging Macedonia spielte er die erste Platte des Balkan Jazz ein; er machte sogar Aufnahmen mit sinfonischen Bläsern, doch eine Platte mit Streichern, das fehlte noch in seiner Diskografie.
„Ich wollte immer schon einmal soft music mit strings machen.“ Wir haben uns im Büro von Enja, seiner Plattenfirma, getroffen. Wie er das sagt, ist klar, dass er dabei nichts mit Kaufhaus- kompatiblem Smooth Jazz im Sinn hat. „Ich spiele auf vier Schienen: Ethno Balkan Jazz, Balladen, Bebop und Latin.“ In der Zeit vor seinem 80. Geburtstag hielt man dann bei Enja angesichts der Lücke in seiner Diskografie die Zeit für gekommen, die Stilistik des Trompeters mit einer Streichergruppe zu verbinden.
Das Programm war schnell umrissen: „Ich wollte eigene Stücke spielen, also Material, bei dem ich mich wohlfühle und das ich gut spielen kann.“ Der geeignete Arrangeur fand sich quasi zufällig. „Ich hatte zu meinem 80. Geburtstag den Altsaxofonisten Peter King zum Festival nach Belgrad eingeladen. Die Rede kam auf mein Großprojekt. Peter sagte: ‚Du bist doch Arrangeur, warum machst Du das nicht selber?’ Ich aber sagte ihm, dass ich jemanden wolle, der das richtig könne. Da stellte sich heraus, dass Peter schon tolle Sachen in dieser Richtung gemacht hat, wie die Arrangements für die Jazzprojekte von Stones-Drummer Charlie Watts.“ Zu den geeigneten Streichern kam Produzent Uwe Schwidewski mittels eines zufälligen Messe- Gesprächs mit dem Geschäftsführer des Stadttheaters Brandenburg und seinen Symphonikern. Die hatten plötzlich eine Terminlücke in diesem Frühjahr, und die Live-Einspielung des Programms konnte über die Bühne gehen.
„Wir wollten bewusst ein Konzept nur mit Streichern und dem Quintett. Peter hat die Symphoniker souverän mit unserer ternären Phrasierung vertraut gemacht, und alle waren schließlich mit Herz und Seele dabei.“ Angesprochen auf Anklänge an Miles Davis mit Gil Evans bekennt Goykovich mit leuchtenden Augen: „Miles war mein master, mein teacher. Wir waren Freunde seit Mitte der fünfziger Jahre, als er mich in einem Münchner Club gehört, mit mir gespielt und mich nach New York eingeladen hat. Ich hab viel von ihm gelernt, besonders was das Timing angeht und das Prinzip, dass es nicht wichtig ist, was du spielst, sondern wie du, genau du, es spielst und dass es gilt, sich auf das zu begrenzen, was wesentlich ist für das Stück.“
Und wie hält sich ein Trompeter bis ins hohe Alter fit? „Ich habe nie Drogen genommen. Das negative Beispiel meines Freundes Chet Baker hat mir da Riesenangst gemacht. Ich sorge für ausreichend Schlaf, vermeide mithilfe meiner Frau und meines Managements Stress und übe wie immer schon mindestens zwei Stunden am Tag.“

Neu erschienen:

The Brandenburg Concert

Dusko Goykovich With Strings

enja/soulfood

Thomas Fitterling, RONDO Ausgabe 6 / 2013



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