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Begehrtes Holzwrack

Der Mythos „Titanic“ lebt. Daher sind auch Devotionalienjäger sofort hellwach, wenn wieder ein Erinnerungsstück aus dem Luxusdampfer auftaucht, der vor 101 Jahren bei der Jungfernfahrt untergegangen ist. Bislang spülten Speisekarten, Schmuck von Passagieren und Schiffspläne enorme Summen in die Kassen von Auktionshäusern. Jetzt aber schlug bei einer englischen Versteigerung der Hammer bei der Rekordsumme von 1.050.030 Pfund (1,24 Millionen Euro). Innerhalb von zehn Minuten wechselte da eine Geige den Eigentümer, die man zehn Tage nach der Katastrophe aus den Meeresfluten fischen konnte. Ihr tot geborgener Besitzer, der Titanic-Kapellmeister Wallace Hartley, schnallte sich die Violine in einer Ledertasche um den Körper, bevor er von Bord ging. Demnach wäre es genau diese Violine gewesen, auf der er mit seinen Kollegen bis zum Untergang aufspielte, um eine Panik zu verhindern – zuletzt der Legende nach auch den Choral „Nearer My God to Thee“. Das angespülte Instrument wurde in Folge wieder seiner Verlobten übergeben, die es ihm einst schenkte. Nachdem sich viele Jahrzehnte jede Spur verloren hatte, fand sich vor sieben Jahren auf einem Dachboden diese deutsche Kopie einer Geige aus der Werkstatt des Italieners Giovanni Paolo Maggini. Doch nicht nur der Zahn der Zeit hatte inzwischen seine Spuren hinterlassen, sondern auch die Natur. So entdeckten Wissenschaftler im Holz Überreste von Salzpartikeln. Trotzdem gibt es immer noch Titanic-Experten, die die Echtheit des Instruments bezweifeln. Den anonymen Bieter hat es jedoch nicht daran gehindert, den ursprünglichen Schätzpreis von 300.000 Pfund ums das fast Vierfache in die Höhe zu treiben. Wer hingegen auch einmal eine Maggini-Kopie mit Salzspuren besitzen möchte, der muss sich nur auf den einschlägigen Internet-Auktionshäusern umschauen. Da bekommt man so ein Instrument schon für rund 2000 Euro. Und Salz gibt es ja in jedem Discounter für paar Cent.

Guido Fischer



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