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Zugabe

Namen, Nachrichten, Nettigkeiten: Neues von der Hinterbühne

Tenor, Moderator, Regisseur und Karikaturist Rolando Villazón hat einen Roman geschrieben. Es geht um einen Clown, der die Welt erklärt. „Der Clown befreit uns von der Sklaverei der Seriosität“, erklärte Villazón allen Ernstes in einem Interview mit dem „Standard“. „Malabares“, so der Titel des Buches, soll nächstes Jahr auf Deutsch erscheinen.
Grund zum Feiern für Daniel Barenboim. Das von seinem Sohn David produzierte Hiphop-Album „Hoch 2“ des Rappers RAF 3.0 landete auf Platz 1 in den deutschen AlbumCharts. „Kann sein, dass seine Hiphop-Tätigkeit eine Art Rebellion ist“, so der stolze Vater. David habe in jungen Jahren möglicherweise eine „leichte Überdosis“ von Klassik abbekommen. „Als er fünf Jahre alt war, dirigierte ich den ‚Ring des Nibelungen‘ in Bayreuth“, so Barenboim. „Jeden Morgen brachte ich David um acht Uhr in den Kindergarten, gleich neben dem Festspielhaus. Um halb elf Uhr war dort Schluss. Dann war er bei mir. Mit der Folge, dass er mit sechs Jahren den gesamten ‚Ring’ auswendig hersingen konnte.“ Sein jüngerer Bruder Michael hingegen hat eine Laufbahn als Solo-Geiger gestartet.
Simon Rattle, über dessen Wechsel zum London Symphony Orchestra spekuliert wird, will nach Ende seines Vertrages in Berlin dort wohnen bleiben. Das sagte er dem Stadtmagazin „tip“. Sollte man nach Ende seiner Ära die Education-Arbeit für das Wichtigste halte, was er gemacht habe, so wäre dies für ihn „nicht genug“, so Rattle. „Das wäre, ehrlich gesagt, schon traurig für mich. Ich bin ja doch Musiker. Nicht Erzieher. Aber es bleibt trotzdem ein wichtiger Teil der Arbeit dieses Orchesters.“
Das schleichende Theatersterben betrifft erstmals eine große, alteingesessene Institution. Die New York City opera im Lincoln Center (gleich links neben der Metropolitan Opera) steht vor dem Aus. Wenn das Haus nicht sieben Millionen Dollar auftreibt, muss die Compagnie aufgelöst werden. Der Rest der Saison wurde laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ bereits annulliert.
Die Pianistin Valentina Lisitsa hat in Palermo Konzerte abgesagt, weil die Veranstalter ihrer Forderung nicht nachgekommen waren, zuerst die Gagen jener Musiker zu bezahlen, die schon im Vorjahr bei dem Festival aufgetreten waren.
Der exilgriechische Dirigent Teodor Currentzis (41) hält nicht viel vom Musikleben in Europa. „Es hat sich in einen Supermarkt verwandelt“, krittelte er bei einem Interview in Berlin und ließ wenig Interesse erkennen, ein europäisches Orchester zu dirigieren. „Ausnahmen sind das Mahler Chamber Orchestra und das Orchester der Zürcher Oper, denn die interessieren sich auch für Alte Musik.“ Traditionelle Klangkörper seien ihm nicht flexibel genug. „Sie müssen von vorne anfangen“, so der exzentrische Mann, der seinen Arbeitsplatz im russischen Perm (und zuvor in Novosibirsk) für deutlich attraktiver hält. „In den meisten Städten müsste ich jetzt schon für das Jahr 2017 planen, das ist doch Wahnsinn!“ Am Besten sei es, am selben Tag anzukündigen, wozu man Lust hat. Für die „Sony“ bereitet Currentzis derzeit einen Mozart-Zyklus in Perm vor.
Und zwar mit Simone Kermes als Star. Diese hat sich kürzlich in Moskau sogar „russisch griechisch orthodox“ taufen lassen. „Ich hatte nie eine Religion und ich fühlte, dass mir beim Singen noch das Letzte fehlt“, so Kermes gegenüber RONDO. „Für mich war es ein langüberlegter Schritt und es war gut!“

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2013



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