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Rossini­-Weltwunder: Rossinis "Guillaume Tell" u.a.

Pesaro (I)

Rossini-Aufführungen können nicht lange genug dauern! Zeigt diese Meinung nun, dass man von der grassierenden ‚Rossinitis’ angesteckt wurde? „Guillaume Tell“ in Pesaro jedenfalls dauert mit 5 ¼ Stunden fast so lange wie die „Meistersinger“. Freilich mit einem – hier wiederum präsenten – Juan Diego Flórez in seiner Debüt-Rolle als Arnold.
Nicht nur die Sänger, auch Besucher des Festivals kehren immer wieder. Oder verdrehen noch Jahrzehnte später die Augen vor Verzückung. Schlüssel dafür ist der kleine, auch heute noch durch die Fußgängerzone stuppelnde Alberto Zedda. Er betreut das Festival seit 1980 und entdeckte hier Sänger wie Renée Fleming, Cecilia Bartoli und Daniela Barcellona. In diesem Jahr verströmt Marina Rebeka (Mathilde) die Grandezza einer heldisch gewordenen Mozart-Königin. Nicola Alaimos bissiger Tell, Veronica Simeoni (Hedwige) und Celso Albelo (Pêcheur) sorgen für eine bis in die letzte Reihe idiomatische Besetzung. So findet man das an keinem normalen Opernhaus.
Juan Diego Flórez schließlich, der sich dies Debüt-Umfeld ausgesucht hat, legt metallische Streben an, ohne die Springlebendigkeit seines Flummy-Tenors im Mindesten einzubüßen. Grandios! Da steckt man die läppische Klassenkampf-Inszenierung von Graham Vick – mit explodierendem Apfel! – mühelos weg. Michele Mariotti (aktueller Freund der im Parkett anwesenden Olga Peretyatko) dirigiert flockig-mediterran mit lässiger Hand.
Nebendran kriegt man mit „L’occasione fa il ladro“ hier noch die wohl letzte Inszenierung von Jean-Pierre Ponnelle zu sehen (von 1987). Immerhin mit Elena Tsallagova. „L’italiana in Algeri“, „Viaggio a Reims“ und Bruno Caninos zyklische Wiedergabe von Rossinis „Sünden des Alters“ (in der historischen Rocca Costanza) bilden das Beiprogramm. Wem noch immer Reise-Gründe fehlen, der ziehe die beiden großformatigen Giovanni BelliniAltarbilder in Betracht, die in den Musei Civici herumhängen. Oder die Fresken in der Villa Imperiale, an denen Bronzino beteiligt war. Pesaro: das liebenswürdigste Weltwunder der Klassik!

Robert Fraunholzer, RONDO Ausgabe 5 / 2013



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