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René Pape

»Ich muss nicht alles machen«

Der Wotan ist wohl für jeden Bassbariton eine Traumpartie, und so wagt sich René Pape nach dem »Rheingold«-Göttervater jetzt in Berlin auch an »Die Walküre«. Mit Manuel Brug hat er sich über zweite Anläufe, mehr und weniger verlockende Rollen und seine Liebe zum Liedgesang unterhalten.

Mitte des Wagner-Lebens. Nein, so dramatisch möchte der Weltklasse- Bass René Pape seine zweite Solo-CD auch wieder nicht verstanden wissen. Obwohl er bestimme Rollen, den Fafner, den »Meistersinger«-Nachtwächter gegenwärtig nicht mehr singt, kommen andere, neue hinzu – zur Zeit vor allem der lang erwartete Wotan. Den im »Rheingold« hat er bereits im neuen Mailand/Berlin-«Ring« an der Scala gesungen, »Die Walküre« folgt im April in Berlin. Und die CD macht schon einmal mit der großen Szene aus dem dritten »Walküre«-Akt bekannt – und den Genießermund wässrig.
Die aktuelle Wagner-CD ist bereits Papes zweiter Anlauf. Eine erste sollte eigentlich sein Debüt bei der Deutschen Grammophon markieren. Doch nach den Aufnahmen in Dresden konnten er und Christian Thielemann sich nicht über die Freigabe einigen: »Es gab technische Probleme – aber nicht bei mir. Und nicht bei der Grammophon«, so viel sagt er dazu. Und schwärmt jetzt von der neuen Scheibe: »Die andere nicht rauszubringen, war richtig, obwohl es schwierig für alle Beteiligten war. Aber ohne dass die Verantwortlichen es ahnen konnten, ist das aktuelle Ergebnis viel befriedigender. « Was sicher auch an dem ihm vertrauten Dirigenten Daniel Barenboim und der Staatskapelle Berlin liegt.
Einige Überraschungsmomente gibt es auf der Wagner-Platte: »Sicher ist der Nachtwächter unerwartet und gewöhnungsbedürftig«, meint Pape. »Es war meine erste Wagner-Partie überhaupt, so kurz und schmerzlos sie ist, ich habe halt viele Erinnerungen daran. Das ist pure Nostalgie, ich wollte es für mich festhalten.« Eine zweite Kuriosität ist der »Tannhäuser«-Wolfram: »Den singe ich natürlich nie auf der Bühne. Es war eine Idee von Barenboim, und ich dachte erst, da breche ich mir den Hals, aber es ging. Ich hätte nie im Traum gedacht, es mal mit Orchester singen zu dürfen. Es gibt allerdings eine Konzertfassung für Bass, ich habe die Noten, aber da würde sich jeder krank lachen.« Den König Marke, eine seiner Paraderollen, hat er nicht noch einmal aufgenommen, dafür einen Gurnemanz-Ausschnitt mit seinem ersten Parsifal – Plácido Domingo. Auch wenn der erst später auf das Band gesungen hat, für den Tenorissimo ja kein neues Procedere.
Die Berliner Staatsoper und die Metropolitan Opera sind weiterhin Papes Stammhäuser. Obwohl er inzwischen wieder an seinem Heimatort Dresden lebt. Irgendwo wünscht er sich einmal eine Produktion von Anton Rubinsteins »Der Dämon«, von dem er schon Ausschnitte gesungen hat. »Der hat traumhafte Musik, wäre ein Schmankerl, selten, aber auch interessant für das Publikum.«
Und was ist mit dem Sachs, der schon einmal geplant war und von dem er den Fliedermonolog und die Schlussansprache auf der CD singt? »Es gibt kein Datum. Ich muss nicht alles machen. Es wird nämlich langsam ein Problem, dass sich heute viele Orchester über einen Viertelton über der Stimmung bewegen, wie Wagner sie komponiert hat. Die menschliche Stimme aber verändert sich nicht. Das dreht sich alles immer höher und höher, für die Sänger ist es grenzwertig und irgendwann wohl nicht mehr machbar. Dann können nur noch leichte Baritone die schweren Partien zu singen. Ich behalte mir also vor, die eine oder andere Partie dann eben nicht zu singen – die Leute haben schließlich viel Geld bezahlt, und dann wollen sie keinen überanstrengten Sänger hören.«
Lieber will er sich mehr dem Lied widmen: »Da habe ich gemerkt, dass es mir viel Spaß macht, da eröffnet sich mir eine andere Welt. Ich habe auch vor großen Räumen keine Angst. Ich liebe diese Intimität im großen Rahmen. « Und so wird wohl auch René Papes nächste Platte der kleinen Form gelten. Schließlich ist sein Exklusivvertrag jetzt ausgelaufen, und eine Liedplatte lässt sich prima selbst produzieren.

Wagner

René Pape, Staatskapelle Berlin, Daniel Barenboim

DG/Universal

Manuel Brug, RONDO Ausgabe 2 / 2011



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