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Neue Gesichter

Mit Mutter unterwegs

Wer bereits mit zehn Jahren als Solist beim Norwegischen Rundfunkorchester debütiert und nur zwei Jahre später von Mariss Jansons zu einem Konzert mit dem Oslo Philharmonic Orchestra eingeladen wird, den darf man mit 24 Jahren beinahe schon einen alten Hasen nennen: Die Norwegerin Vilde Frang war das, was man gemeinhin ein Wunderkind nennt. Mittlerweile ist sie zu einer jungen Dame gereift und hat eine beachtliche Liste von Musikerkollegen und Dirigenten vorzuweisen, mit denen sie gemeinsam auf dem Podium gestanden hat. Martha Argerich und die Capuçon-Brüder sind da ebenso zu finden wie Paavo Järvi oder Esa-Pekka Salonen. Mit Anne- Sophie Mutter war sie gerade auf einer ausgedehnten Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz – es war schon das zweite Mal, dass die berühmte Kollegin Vilde Frang als Partnerin zu einer Konzertreise gebeten hat. So wie EMI sie nach ihrer Debüt-CD mit Konzerten von Jean Sibelius und Sergej Prokofieff zum zweiten Mal ins Aufnahmestudio gebeten hat: Die Einspielung mit Sonaten von Richard Strauss, Béla Bartók und Frangs Landsmann Edvard Grieg ist soeben erschienen.

Perfektionierung in Hamburg

Andere Jungs spielen in dem Alter Fußball. Adam Laloum hat sich lieber ans Klavier gesetzt und geübt. Mit zehn Jahren fing er an zu spielen, ging dann zuerst nach Toulouse und wurde schon mit 15 am Pariser Konservatorium in die Klasse von Michel Béroff aufgenommen. Normalerweise beginnt man sein Studium mit 19 Jahren, Laloum hatte es da bereits abgeschlossen. Mittlerweile hat er den Maurice-Ravel-Preis gewonnen und den berühmten Clara-Haskil-Wettbewerb für sich entschieden, bei dem ihm zusätzlich auch noch der Publikumspreis zuerkannt worden ist. Beim Klavierfestival Ruhr ist er ebenso aufgetreten wie beim prestigereichen Gegenstück in seiner Heimat, La Roque d’Anthéron. Da er aber der Meinung ist, dass man nie auslernt, perfektioniert er sein Spiel derzeit an der Hamburger Musikhochschule bei Evgeni Koroliov, der den Clara- Haskil-Wettbewerb bereits 1977 gewonnen hat. Das französische Label Mirare, das immer schon ein gutes Öhrchen für Pianisten bewiesen hat, bringt jetzt Laloums erste Soloplatte mit Werken von Johannes Brahms heraus.

Der Vielberufler

Wenn man seine musikalische Ausbildung mit acht Jahren als Chormitglied der angesehenen Maîtrise de Bretagne beginnt, kurz darauf Orgel und später auch Cembalo lernt, kann es schon vorkommen, dass man sich bereits mit Ende 20 nach zusätzlichen Herausforderungen sehnt, ein Studium als Dirigent beginnt und ein eigenes Ensemble gründet. Zumal, wenn man zu diesem Zeitpunkt schon mit fast allen Großen der Alte-Musik-Szene zusammengearbeitet hat, von Spinosi und McCreesh bis zu Rousset und Herreweghe. Dieses Jahr wird Damien Guillon 30, ein gutes Alter, um nach all diesen Aktivitäten das erste Solorecital herauszubringen. Der französische Countertenor, der ab 2004 an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis bei und von seinem berühmten Kollegen Andreas Scholl gelernt hat, präsentiert sich bei ZigZag mit einem reinen Dowland-Programm: Dessen Lautenlieder sind schließlich seit jeher ein Prüfstein für jeden Altus.

Michael Blümke, RONDO Ausgabe 2 / 2011



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